“Oh du starke Globalisierung, ach du schwache soziale Marktwirtschaft”
Februar 12th, 2007

Viel Spaß bei nachfolgender Geschichte!
(Fett = Herr Neo libertus; Normal = Fräulein Soliza; Kursiv = Erzähler)
Man müsse global denken meinte Herr Libertus Neo und fuhr in seinem beinahe schon ekstatischem Gedankengang fort: Wir dürfen uns nicht länger hinter einem, ein halbes Jahrhundert altem Gerüst verstecken. Und das nennt man dann noch ganz kess „soziale Marktwirtschaft“. Genau wegen der sind wir Deutsche doch hintendran. Aber das is ja noch nicht genug! Nein! Da ist ja auch noch dieser Name des Gründers…wenn ich da nur dran denke…vor allem diese Widersprüchlichkeit…er und hart? Ja ausgerechnet er, dieser soziale Softie…
Er meinte sich auszukennen. Und eine Frage lies ihn ganz besonders nicht los:
Wieso wollen es manche nicht verstehen?
Für ihn war es sonnenklar, dass die soziale Marktwirtschaft in den Zeiten der Globalisierung nur Schwächen aufwies. War sie doch auch während des Industriezeitalters entstanden, und für jenes konzipiert. Wie sollte so ein altes, verstaubtes Ordnungsmodell noch im digitalen Zeitalter funktionieren? Gerade jetzt, wo es keine festgefahrenen Strukturen mehr gäbe, wo man Miteinander mit Hilfe von Prozessoren Netze spinnt, der eine hier, der andere dort, der eine hier, der andere dort einen Strang beiträgt; was für Möglichkeiten sich dem blauwässrig schimmernden Planeten dadurch nur böten. Ja! Nun sind die Zeiten des lohnabhängigen, jahrzehntelang im Inland, unter denselben monotonen Bedingungen, in demselben tristen Unternehmen schuftenden Arbeiters, vorbei. Endlich vorbei. Zeit um unser Sozialsystem dieser neuen Ära anzupassen. Er war froh die Welt zu verstehen und konnte sich den freudigen Ausruf: Es lebe die Effizienz, die ungezügelte Effizienz bei aller Liebe nicht verkneifen.
Wenn die Deutschen sich diesem Rad der Zeit nur nicht widersetzten. Es ist doch Unsinn ein Vermögen in die Aufrechterhaltung irgendwelcher sozialen Standards zu investieren, wenn manch eine Konkurrenz das auch nicht tue. Ganz zu schweigen von der offensichtlichen Sinnlosigkeit zu geben, ohne eine direkte Gegenleistung zu bekommen.
Also weg damit, anstatt dessen sollten wir lieber mal einen Zahn zulegen, die Produktivität steigern, die Zähne dann noch zusammenbeißen und uns dem harten Gang der Konkurrenz anpassen. Nur so können wir Schritt halten.
Und ja, die langsamen und die, die ihre Chance nicht wahrnehmen sind halt nun mal die Verlierer. So ist es beim Spielen. Es gibt Gewinner und Verlierer. Langlebende und Kurzlebende.
Herr Libertus Neo wäre wohl ein Leben lang bei seiner Meinung geblieben, wäre ihm nicht irgendwann die heranreifende, aber bereits ihn irgendwie instinktiv anziehende, Fräulein Soliza begegnet. Zum ersten Mal in seinem Leben horchte er auf:
Ach du lieber Herr Neo! Wo soll ich nur anfangen? fragte sie ein wenig verzweifelt, aber dennoch recht forsch. Wissen Sie denn nicht was Deutschland an autoritären Herrschafts- und Wirtschaftsformen hinter sich hat? Allein im Vergleich dazu kann unser jetziges Ordnungsmodell doch nicht schlecht so sein, oder?
Na ja gut, das mag ja stimmen, aber trotz alle dem brauchen wir einen sich selbst regulierenden, frei… weiter kam er nicht, denn Fräulein Soliza hatte nur kurz abgesetzt um tief Luft zu holen:
Nein, nein, nein, einen freien Markt brauchen wir nicht. Ich erkläre ihnen lieber noch einmal, wie das mit der sozialen Marktwirtschaft ist. Im Grunde werden die marktwirtschaftlichen Prozesse lediglich durch einen gewissen Ordnungsrahmen ergänzt. Im Falle Deutschland bedeutet dies eine vom Staat festgelegte und kontrollierte Wettbewerbs- und Sozialordnung. Ziel dabei ist, dass eben nicht erwünschte Ergebnisse, eines rein marktwirtschaftlichen Systems, ausgeglichen, bzw. korrigiert werden. Warum Sie ein Fehlen von Sozialstandards für gut heißen, als dafür plädieren dass es manchen Menschen schlecht gehen soll, versteh ich sowieso nicht.
Also wenn ich von der Wirtschaft rede, dann meine ich zumindest alle Menschen, und meiner Ansicht nach sollten Alle ein Recht auf ein gleich langes Leben haben und man sollte nicht erdulden, dass welche verlieren, bzw. gar nicht die Chance haben zu gewinnen. Apropos, ich finde ich es wirklich pervers wie gleichgültig Sie darüber nachdachten.
Was ich meine ist, dass unter den falschen wirtschaftlichen und strukturellen Bedingungen einige doch gar keine Möglichkeit haben, sich persönlich zu entfalten und zu entwickeln. Es muss doch jeder das Recht haben dürfen Mensch zu sein, oder?
Allein schon deswegen, ist es ja wohl das Mindeste gewisse Leitlinien und Standards zu schaffen, unter denen sich es sich dann auch für Menschen wie Sie lohnen würde, sozial zu sein. Von denen gibt es eh noch viel zu wenig, wie ich finde. Und bevor wir die Effizienz und die Produktivität blindlings erhöhen, wäre es vielleicht angebrachter zuvor mal auf globaler Ebene ein vernünftiges Regelwerk durchzusetzen. Außerdem, was mir dabei grad einfällt, zu Ihrem Argument, dass wir, noch mehr noch schneller schaffen müssten:
In den Usa ist die Arbeitsproduktivität in den letzten 20 Jahren nur um 25% gestiegen, in Deutschland jedoch um 100% . So unproduktiv sind wir also gar nicht. Aber überhaupt, sollte das nicht unser Hauptproblem sein. Unsere Hauptprobleme sind z.B. dass 20% der Bevölkerung auf der Erde 80% von ihr besitzen, dass 25000 Menschen am Tag an Hungernot und dessen Folgen sterben und um noch ein Beispiel zu nennen, dass wenige sehr produktiv sind, auch im Umwelt verschmutzen, aber der ganze blaue Planet mit verseuchtem Wasser umgehen muss…
Und es gäbe noch zig Beispiele. Wenn wir also was brauchen, dann eine weltinnenpolitische Sichtweise, ja das stimmt, von daher gebe ich Ihnen Recht. Wir müssen global denken. Wobei die Betonung auf dem letzten Wort liegt. Das können wir schaffen durch supranationale Strukturen, wie etwa der Eu, aber nicht durch supranationales Chaos, wie es jetzt als Ordnungsrahmen auf globaler Ebene herrscht.
Es wäre viel besser, wenn alle Menschen zumindest den Grundgedanken unserer Form der Marktwirtschaft übernähmen, der nämlich lautet: „Wohlstand für Alle“. Allein schon der Liebe zum Nächsten wegen. Und warum sollte man nicht auch geben, auch wenn man, wie Sie, denkt man bekäme dafür nichts zurück? Wobei das ja auch nicht stimmt, denn hallt es doch wenn nicht nach außen doch in dem Inneren des Beschenkten wieder und äußert sich über lang oder kurz…
Ach ich bitte sie Frau Soliza, dass ist mal wieder typisch Fra… wollte er kontern, aber er war wieder ein mal der weiblichen Empathie nicht gewachsen
Ich wusste, dass sie das als weibliche Gefühlsduselei abtun. Nun gut. Nichtsdestotrotz sollte doch auch Ihnen einleuchten, dass es nicht sein kann und darf, dass Demokratie unter den Fesseln der heutigen Globalisierung bedeutet, dass nur Menschen mit materiellem Besitz eine politische Stimme, also eine Zukunft und ein Recht auf ein menschenwürdiges Leben haben?
Ha ha ha, ich kann nur lachen über ihre banale und überzogene Darstellung!
Wissen Sie, wahrscheinlich denken viele wie Sie, und viele lachen über Frauen wie mich. Aber was mich in so einer Situation immer tröstet, ist ein Spruch von Albert Einstein, den ich über meinem Bett aufgehängt habe und der lautet: Um ein tadelloses Mitglied einer Schafsherde zu sein, muss man vor allem eins sein: Ein Schaf.
Es ist mir leider nicht bekannt, ob Neo libertus bis heute zur Vernunft gekommen ist, und verstanden hat, dass Globalisierung uns allen nur viele Vorteile bringt, wenn wir anfangen sie richtig zu gestalten. Unsere jetzige Wirtschaftsform die soziale Marktwirtschaft weiter zu verbessern, ist vom Prinzip her nötig und gut, jedoch vergleichbar mit dem Bemalen eines Hüpfballes, der keine Luft hat.
Als letzte Anmerkung des Autors sei mir bitte noch erlaubt hinzuzufügen, dass auch die soziale Marktwirtschaft, bzw. die Struktur Europas bei weitem nicht optimal ist. Wahrscheinlich gibt es viele noch nicht gedachte bessere Formen. Aber, wer reißt schon eine noch nicht reife Frucht vom Baum und zertrampelt sie?
Kris
Kategorie: Artikel, Aktuelles | add to mister wong












6 Comments Add your own
1. Gregor | Februar 12th, 2007 at 15:44
Guten Tag Herr Libertus Neo,
wenn Mrs. Soliza Ideen verwirklicht würden, hätte dies wohl einen sehr positiven Einfluss auf das wohlergehen der Menschheit als Ganzes. Natürlich würde dies auch bedeuten, dass Sie nicht mehr demütig auf Milliarden anderer herunterblicken könnten und wahrscheinlich auch deren günstigen Dienste nicht mehr in Anspruch nehmen könnten. Aber ist dieses Gefühl der Überlegenheit wirklich 24000 Menschen pro Tag wert?
2. kopf-größer | Februar 16th, 2007 at 00:47
Ach ja Wohlstand für alle!!!
Hey, wer will das nicht? Das wollen Kommunisten, Sozialisten und sogar Kapitalisten Utilitaristen, Sternsinger mein Taxifahrer und die Nutte an der Ecke. Der einzige Unterschied besteht darin, wie man zu diesem Ziel kommt. Die einen meinen, man müsste allen Reichen alles nehmen die anderen wollten auf dem Pfad der Tugend gerne unzählige Schwänze lutschen und die anderen denken man müsste nur alles laufen lassen um dieses Ziel zu verwirklichen. Es ist egal, ja sogar völlig egal.
Das Problem hier ist, dass die kleine Sozi-Schlampe Madame Soliza in Wahrheit die ausbeuterische Imperialistin ist, während der stamme Herr Neu geradezu ein Bannerträger der sozialistischen internationalen ist. Wie das? Es sei in ein paar kurzen Worten erklärt:
Die 80 Prozent Armen in der Welt werden keine Chance bekommen, wenn „Sozialstandards“ herrschen. Weil dies schlicht und einfach bedeutet, das weiterhin in den Ländern produziert wird, in den die Standards eingehalten werden. Sprich zum Beispiel im sozialökonomischen Paradies der BRD.
Die Globalisierung aber, schafft Arbeitsplätze für die ganz Armen. Ist zwar nicht schön 14 Stunden in der Fabrik Schuhe zu nähen. Ist aber schöner, als zu verhungern, deshalb tun es die Leute. Ist auch nicht schön, wenn Kinder Teppiche Knüpfen müssen, aber mal ganz ehrlich, was sollen die denn sonst tun. Schulen gibt es da eh nicht. Und bevor sie anfangen mit Bombengürteln bei uns Buszufahren, ist es doch besser, wenn sie was kreatives machen und ein paar schöne Teppiche basteln.
Also noch mal im Klartext: Als gute Sozialisten sollten wir so viele mp3 Player, Kühlschränke und Turnschuhe wie möglich kaufen, denn all das schafft Arbeitsplätze in den ärmsten Gegenden der Welt.
Sozialstandards sind protektionistisches Gehabe, das den Rest der Welt vom Wohlstand ausschließt.
Lasset mich ausrufen Genossen: Konsumiert, Konsumiert und helftet unseren Brüdern!
Kopf-größer
3. Wurstl | Februar 16th, 2007 at 18:14
Hallo Kopf-Größer,
ja sobald die Texte ein wenig anspruchsvoller werden, und dazu Fakten, Anspielungen und Schlüsse in ein Geschichte gehüllt sind, versteht der ein oder andere es wieder nicht.
Zum einen wollen Sozialisten nicht allen Reichen alles nehmen, das ist so einfach nicht richtig, zum anderen muss doch Fräulein Silza nicht für Sozialistin stehen, sondern kann doch auch einfach für SOZIAL (vgl. Buchstaben) stehen.
Des Weiteren ist deine Interpretatiion, nachdem auch ich mich länger mit dem Text beschäftigt habe einfach falsch.
Es soll hier aber genügen ein paar Worte zu deinen Weisheiten zu sagen, die deine Interpretation belegen sollen.
Die Armen dieser Welt haben eine enorme Chance wenn einheitliche Standards, wie unter anderem Sozialstandards auf der ganzen Welt durchgesetzt werden würden. Unser derzeit größtes Problem auf globaler Ebene ist ein felhendes Gerüst. Dadurch entstand ein Raubtierkapitalismus (ja das ist was ökonomische Globalisierung zur Zeit ausmacht: Freihandel, sonst nichts) der durch Institutionen wie etwa die Wto gestützt wird.
Aber das kann und wird sich ändern.
Aber was ist denn das schon wieder für ein Argument :”Und bevor sie anfangen mit Bombengürteln bei uns Buszufahren, ist es doch besser, wenn sie was kreatives machen und ein paar schöne Teppiche basteln.” Klingt sehr diskriminierend. Und du widersprichst deinen eigenen Aussagen. Davon abgesehen, dass sie das nicht müssten wenn es gewisse Sozialstandards gäbe, die ihnen den Zugang zu Schulen, Sozialhilfe, etc. gewähren, bzw sie dazu verpflichten würden…
(Die Millenium Development Goals, die 191 Staaten unterzeichnet haben sehen doch übrigens genau solche vor…)
Ach ja, und wenn wir Produkte kaufen die unter menschenunwürdigen Bedingungen hergestellt wurden, dann verbessert sich alles, oder?
Genau, denn dadurch dass wir diese Auswucherungen auch noch düngen schrumpfen sie, oder?
lies den Artikel am Besten noch mal, und überleg dir beim nächsten Mal was du schreibst…
P.s. Anmerkungen an die Betreiber: warum löscht ihr solche Kommentare wie von diesem Hirni nicht?
4. Chris | Februar 16th, 2007 at 20:07
Wir lassen jegliche Kommentare und Meinungen zu… solange sie nicht verletzend, verleugnend, rechtsradikal oder jeglichem gesunden Menschenverstand widersprechen. Außerdem regt ja manch ein Kommentar die Kommunikation an und das ist ja keineswegs schlecht.
5. Richard | Februar 18th, 2007 at 21:54
Danke für die Ergänzung… nun dürfte jedem der Artikel zugänglich sein.
6. franz-bernhard.nolte | März 17th, 2007 at 21:55
Sehr geehrte Damen und Herrn,
Quo Vadis Europa?
www.globalisierung-zaehmen.de
Ich wende mich an Sie anlässlich des Weltwirtschaftsgipfels der reichen, entwickelten Industriestaaten, der Anfang Juni in Heiligendamm unter Vorsitz der deutschen Bundesregierung stattfindet. Deutschland spielt in Europa und Europa spielt in der Welt eine gewichtige Rolle.
Soll Europa gemeinsam mit den Schwellen- und Entwicklungsländern eine neue Art von globaler “new economy” aufbauen
- in den sich entwickelnden Wachstumsmärkten der “Dritten Welt”
- in einem Klima von Geschäftstüchtigkeit und Fairness
- in Partnerschaft und “Harmonie“ nach innen und außen und
- unter Achtung international verbindlicher Regeln und
- insbesondere des Völkerrechts.
Oder soll sich Europa im Rahmen der NATO den USA anschließen, die am Hindukusch die freie Welt verteidigen und sich einen unproduktiven und monströsen Militärapparat trotz wachsender, hoher Verschuldung leisten.
Und sich in Zukunft vielleicht einmal einlassen werden auf eine Rivalität mit Wachstums- und Atommachtstaaten wie China, Indien und Russland.
Soll Europa eine exklusive „Transatlantische Freihandelszone“ anstreben und die Märkte noch weiter öffnen für angloamerikanisches privates Kapital, institutionelle Investoren,”Investment-Banking” und “Private Equity”,das im Überfluss vorhanden und höchst liquide rund um den Globus auf der Jagd nach Aktiengewinnen, hohen Renditezielen, Dividenden, Profiten ist?
Die Art und Weise, wie sich Globalisierung heute darstellt und wie sie gestaltet wird, eröffnet riesige Chancen im Kampf gegen die Armut, aber auch große Gefahren für den Frieden in der Welt.
Seit dem letzten “Fünfjahres-Plan” der chinesischen Regierung vom März 2007 ist mehr und mehr deutlich geworden, dass China als eine gewichtige Kraft der sogen. BRIC- bzw. Schwellenländer nicht der “rote Drache”. Vielmehr scheint China einen Weg eingeschlagen zu haben, der eine “harmonische Gesellschaft” im Innern und auf der Weltbühne „Harmonie“ zum Ziel hat auf der Grundlage einer sogen. „sozialistischen Marktwirtschaft“, in der der Staat größere soziale Verantwortung übernehmen und lenkend und „zähmend“ eingreifen soll.
Schwellenländer, wie China und Indien, sind mit ihrem Bevölkerungsreichtum und wirtschaftlichen Potential treibende Kräfte der Globalisierung geworden und könnten in Zukunft zu „Wachstumsmaschinen“ der Weltwirtschaft werden. Viele Schwellen- und Entwicklungsländer nutzen ihre Chancen und „gestalten Globalisierung“, indem sie sie für die Entwicklung ihrer Volkswirtschaften nutzen und das mit einer erstaunlichen Krisenfestigkeit und auf hohem Wachstumsniveau seit Jahren.
China baut, wie andere Schwellenländer auch, mit politischem Verstand und mit großem politischen Geschick seine Volkswirtschaft, seine Industrie, seinen Arbeitsmarkt, sein technologisches Wissen, seinen Binnenmarkt und die soziale und materielle Infrastruktur auf - und das mit Hilfe modernster Technologien und Produktionsverfahren der entwickelten, reichen Industrieländer.
Was könnte daran schlecht sein? Wenn die Zusammenarbeit respekt- und verantwortungsvoll nach innen und außen, partnerschaftlich und friedlich verläuft, winken riesige Wachstumsmärkte und satte Gewinne auf allen Seiten. Armut kann auf diesem schon heute beschrittenen Weg weltweit besiegt werden.
Es führt ein Weg dorthin, der schon vielerorts, so auch bei uns, beschritten wird.
Der „Exportweltmeister Deutschland“ profitiert seit Jahren mehrfach in Folge von dem neuen ökonomischen Umfeld und droht, von China überholt zu werden.
Gesättigte Märkte, industrielle Überkapazitäten in den Industriestaaten und der erbitterte kapitalistische Wettbewerb bei der Jagd nach immer höheren Gewinnen treiben die global aufgestellten Unternehmen, ebenso wie die angloamerikanische Investoren bis in die hintersten Winkel der Erde und da, wo sie Lücken hinterlassen, wie in Afrika, stoßen Schwellenländer, wie China, Indien und andere nach, immer auf der Suche nach Energie, Rohstoffen und Absatzmärkten.
Diplomatisches Geschick und behutsames Handeln der Regierungen wird erforderlich sein, um „ Globalisierung zu zähmen ” und ” ihre Früchte zu ernten”. Wenn die urwüchsig vonstatten gehende Kräfteverschiebung in der Welt weiterhin friedlich verläuft, dann kann ein angemessener und gerechter Anteil an der Zukunft der Menschheit Millionen von Arbeitskräften und Verbrauchern in den Ländern zu Gute kommen, die bisher zu kurz gekommen sind.
Internationale Unternehmen, Finanzinvestoren und allerhand “global player” werden ihnen weiterhin dabei helfen, denn sie befinden sich in einem unerbittlichen Wettbewerb und müssen deshalb immer weiter steigende Profite erzielen, bei Strafe des Untergangs. Die besten Gewinnchancen bieten derweil und in Zukunft die Wachstumsmärkte in den Schwellen- und Entwicklungsländern, insbesondere dann, wenn die internationalen Unternehmen eine Menge Arbeitsplätze, Kapital und Technologie mitbringen, denn danach besteht überall in den riesigen Wachstumsregionen große Nachfrage.
Langsam wird immer deutlicher, wer die Gewinner und wer die Verlierer von Globalisierung sind und warum Globalisierung nicht allen Menschen in gleicher Weise nutzt, vielmehr vielen auch großen Schaden zufügt. Das Mindeste sind Mindeststandards und gerechte Entschädigungen für jene, die im Zuge der Globalisierung ihren Arbeitsplatz und ihre Lebensqualität verlieren. Klarheit in dieser Frage ist dringend nötig, denn “Globalisierung” als eine neoliberale Ideologie von “Freiheit” im Sinne von Vorherrschaft eignet sich besonders gut für Chauvinismus und Fremdenfeindlichkeit.
Hilfe! “Transatlantische Freihandelszone“ Nein Danke !
Liquides, angloamerikanisches “Privat Equity” in Investorenhand versucht immer verzweifelter, Extraprofite zu erwirtschaften und den Globalisierungs-prozess ausschließlich zum eigenen Vorteil zu nutzen. Es schickt sich an, nach den Erfolgen in den USA und nach der Entflechtung der Deutschland-AG jetzt verstärkt auch in Kontinentaleuropa seinen Einfluß zu vergrößern, immer nur auf der Jagd nach Renditen, Dividenden, Profiten, Gewinnen.
„Private Equity“ und „Hedgefonds“ sorgen in den Unternehmen und auf den Finanz- und Währungsmärkten der Welt für Unruhe und mit ihren waghalsigen finanziellen Transaktionen bringen sie gesunde Unternehmen und eventuell sogar das ganze globale Finanz- und Wirtschaftsgefüge in Gefahr.
Der Blick für soziale Verantwortung und die “soziale Komponente” in einer “sozialen Marktwirtschaft” scheint durch die Erwartung von immer höheren Renditen, Dividenden, Aktienkursen und Gewinnen deutlich getrübt zu sein.
Schwankungen im Währungs- und Finanzgefüge sind der Boden, auf dem spekulative Finanztransaktionen am gewinnträchtigsten gedeihen, etwa am Aktienmarkt, bei Übernahmen oder unter Ausnutzung von Unterschieden bei den Währungen. Aus Wettbewerbsgründen müssen die weltweit aufgestellten Konzerne „Profitmaximierung“ betreiben, ob sie es wollen oder nicht, ebenso, wie die privaten und institutionellen angloamerikanischen Finanzinvestoren. Der Konkurrenz immer um eine Nasenlänge voraus, rennen sie ununterbrochen hinter steigenden Gewinnen her. Je enger der Markt, umso mehr müssen sie wachsen.
Immer deutlicher wird, dass die amerikanische Volkswirtschaft unter der „neoliberalen“ Wirtschafts- und Finanzpolitik der US-Zentralbank Fed und der mächtigen Wall-Street zunehmend selbst leidet. Amerikanisches Kapital samt Technologie wandert aus, zahlt keine Steuern, nimmt Arbeitsplätze und know-how mit, lässt Arbeitslosigkeit, überschuldete Verbraucher zurück und eine um seine produzierende Industrie geschrumpfte amerikanische “Dienstleistungs- und Konsumgesellschaft, deren Werte sich im Besitzstreben, im Konsum und in der Profitmaximierung erschöpfen.
Zu allem Überfluss leisten sich die Vereinigten Staaten auch noch einen unproduktiven Militärapparat, der zu groß ist für die Landesverteidigung, aber zu schwach, um “Neoliberalismus im Sinne von Vorherrschaft” in der Welt militärisch auf Dauer zu sichern. Läßt sich die einzig verbliebene Supermacht ein auf eine globale Rivalität mit Wachstumsstaaten und Atommächten wie China, Indien und Russland?
Soll sich Europa den USA anschließen oder weiterhin auf Multilateralismus bauen, internationales Recht achten und partnerschaftliche Beziehungen überall in der Welt pflegen? Europa braucht eine starke, demokratische Verfassung und Regierungen, die sich demokratischen Grundsätzen verpflichtet fühlen, die den Pfad von Freundschaft mit allen Völkern der Welt beschreiten, die gerechten und fairen Handel zu allseitigem Vorteil aktiv fördern, die soziale Verantwortung und Gerechtigkeit nach innen tragen und die das Völkerrecht und internationale Regeln achten?
Eine zukünftige europäische Verfassung sollte Europa den Rahmen bieten, sich in die sich entwickelnde globale ” new economy ” einzufügen, um dort beim Aufbau der Volkswirtschaften überall in der Welt zu helfen und um so eine solide Grundlage für gesundes Wachstum, gerechten Wohlstand und Frieden in der Welt auf Dauer zu schaffen. Die Staaten sollten sich nicht aus ihrer Verantwortung für ein nachhaltiges Wachstum stehlen und die europäischen Volkswirtschaften nicht dem freien Spiel der Kräfte des “freien Marktes ” überantworten.
In einer “globalisierten” Welt entstehen die neuen Binnen- und Absatzmärkte der Zukunft in Übersee. Ein Millionenheer von preisgünstigen, Arbeitskräften steht in den Niedriglohnländern auch in Zukunft bereit. Immer mehr gut ausgebildete Arbeitskräfte wachsen nach in den Entwicklungs- und Schwellenländern mit ihren hohen Geburtenraten. Die Sogkraft nach Übersee und nach Osten ist ebenso mächtig, wie internationales Kapital im Überfluss vorhanden und hochliquide ist.
Eine europäische Verfassung sollte einer neuen Ausrichtung der Weltwirtschaft, einer neuen Art von globaler “new economy” gebührend Rechnung tragen und nicht den Spielregeln derjenigen folgen, die immer nur dumpf hinter Gewinnen und Profiten herjagen.
Mit freundlichen Grüßen
Franz Nolte
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