Die Airbus - „Sanierung“ –
ein Beispiel für Globalisierung ohne Spielregeln
März 2nd, 2007
Wer hat sie nicht gesehen, die Nachrichten von wütenden und protestierenden Airbus-Mitarbeitern in Varel, Nordenham und Laupheim, die um ihre Arbeitsplätze fürchten und - verständlicherweise - enttäuscht sind – schließlich leisteten und leisten sie Präzisionsarbeit und tragen dazu bei technisch hoch komplexe Flugzeuge mit höchsten Qualitäts- und Sicherheitstandards zu entwickeln und zu produzieren.
Die in diesem Zusammenhang häufig dramatisierten Probleme beim neuem A380, dem größeten Verkehrsflugzeug der Welt, sind schließlich nicht aufgrund schlechter Arbeit von tausenden Mitarbeitern entstanden, sondern sind das Produkt von – wie so oft - Managementfehlern. Es wurde dort nämlich beschlossen die Entwicklung mithilfe zweier unterschliedlicher Konstruktionsprogrammen durchzuführen, die jedoch nicht kompatibel zueinander sind und nun die bekannten Probleme bei der Verkabelung (u.a. des Bordentertainmentsystems) verursacht haben.
Jetzt wird seitens der Politik und Airbus selbst dieses Problem, das im Grunde nur eine sicher mit Kosten verbundene, aber doch zu verkraftende Verschiebung der Auslieferungen der Flugzeuge auf einen späteren Zeitpunkt bedeutet, als Vorwand benutzt Werke zu verkaufen oder (im Fall von Nordenham) einen „Risikopartner“ (Teilverkauf) zu suchen. Doch was bedeuten die oft in diesem Zusammenhang genutzten Bezeichnungen wie „Umstrukturierung“ und „Outsourcing“?
Es geht sicher nicht darum ein marodes, vom Konkurs bedrohtes Unternehmen durch letzte Notoperationen zu retten – obwohl dies der Öffentlichkeit vermittelt werden soll – sondern schlicht und einfach darum, die Arbeiten, die ja auch weiter anfallen, günstiger zu machen, indem die Mitarbeiter in den verkauften Werken zu geringerem Lohn und mit geringern sozialen Standards arbeiten sollen. Teilweise können auch hier geltende Umweltstandards mit der Verlagerung von „dreckigen“ Arbeiten in andere Länder umgangen werden. Auch wenn die Bilanz von EADS, der Mutter von Airbus, 2006 wohl mit Verlusten endet, sollte man sich von diesem Buchhaltertrick nicht täschen lassen – hier werden nämlich viele erst in den nächsten Jahren zu tätigenden Investitionen verbucht, was die Bilanz natürlich nach untern zieht. Das Ergebnis der Umstrukturierungen wird also bereits in der Bilanz 2007 mit enormen Gewinnen zu sehen sein, die die im Lohn gedumpten Mitarbeiter zugunsten des Sharholdervalues zu leiste hatten.
Um nicht falsch verstanden zu werden: ich bin ein absoluter Unterstützer der marktwirtschaftlichen Ordnung, aber hoch profitable Unternehmen auf Kosten der „normalen Bürger“ (schließlich sind dies die meisten Airbusmitarbeiter und der Steuerzahler, der Airbus über Jahrzehnte subventioniert hat) und der Umwelt zu noch profitableren (für einen kleinen Kreis der Großaktionäre) zu machen, halte ich schlicht für Auswüchse eines ungebändigten Kapitalismus, gegen den man sich sträuben sollte.
Dass sich dieser von den USA aus entwickelt, deren führender Flugzeughersteller Boeing im übrigen große Teile seiner Produktion ins günstige Asien verlegt, ist unbestreitbar und zeigt, dass ein von Connecting Youth und dem Global Marshall Plan geforderter ökosozialer Rahmen für die Globalisierung (weltweite Rechtstandards – u.a. Arbeitsrecht - , soziale Netze und Umweltauflagen) auch in den USA bekannt werden muss und dort Unterstützer finden muss – auch wenn dies teilweise als Herkulesaufgabe erscheint.
Allerdings sollten wir hier in Europa deutlicher zeigen, dass wir die verhüllten Strategien mancher Konzerne zum Sozial- und Ökodumping durchschauen, dagegen protestieren und durch sowohl private als auch staatliche Bevorzugung von Konzernen, die sich korrekt verhalten, mit gutem Beispiel vorangehen, damit am Ende nicht die frechen Konzerne, die alle Vorteile vom Staat mitnehmen (Subventionen) und möglichst viele Lasten auf ihn abwälzen (Sozial- und Umweltleistungen) die Gewinner sind und die Welt - auch bezüglich der Einkommensverteilung – zum schlechteren verändern….
Kategorie: Aktuelles | add to mister wong












2 Comments Add your own
1. Ulf | März 5th, 2007 at 11:18
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass Airbus anstrebt seine Unternehmensstruktur so zu verändern, dass die Einflussnahmemöglichkeiten der Länder Deutschland, Frankreich,… weiter eingeschränkt werden, obwohl Airbus über Jahrzehnte von diesen Ländern finanziell unterstützt wurde. Airbus nahm (und schließt es auch für die Zukunft nicht aus) Kredite von den Ländern für die Entwicklung von Flugzeugen an, die sie nur dann zurückzahlen müssen, wenn das Unternehmen später Erfolg mit der entsprechenden Baureihe hat.
2. mowebo | März 6th, 2007 at 23:00
Der Mensch ist zu gierig und zu korrupt…
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