Kohlenstoffsteuer – Klimaschutz ohne Bürokratie?

März 18th, 2007

Nach einem Vorschlag von Gerd Eisenbeiß, ehemaligem Energievorstand des Forschungszentrums Jülich und heutigem Mitglied der „Advisory Group Energy“, das die EU-Kommission in Fragen der Energiepolitik berät, soll die Klimaschutzpolitik künftig nicht mehr auf Einzelmaßnahmen wie z.B.

Limitierung des CO2-Ausstoßes bei Kraftfahrzeugen,

Vorschriften zur Altbausanierung,

Verbot von Glühlampen (die im übrigen aufgrund der Wärmeentwicklung ca. fünfmal soviel Energie verbrauchen wie
Energiesparlampen),

Verbot von Stand-by-modi, etc.

basieren; vielmehr soll ein umfassendes Konzept entwickelt werden, das die Rahmenbedingungen dahingehend verändert, dass derartige Einzelmaßnahmen nicht mehr nötig sind und somit viel Aufwand und Bürokratie vermieden werden kann.

Dieses Konzept besteht im Kern aus einer Art Emissionshandel wie er grundsätzlich heute schon im Bereich von Kraftwerken zum Einsatz kommt, allerdings mit drei bedeutenden Änderungen:

Das neue System umfasst das gesamte Spektrum der CO2-Produktion, also auch die von Industrie, Verkehr und den Privathaushalten verursachten Emissionen-Die Menge der sich im Umlauf befindlichen Emissionszertifikate kann daher direkt von der Politik bestimmt werden und zwar entsprechend der in internationalen Vereinbarungen (Kyoto, „20%-Reduktions-Gipfel“ Anfang März 2007) vorgegebenen Grenzen, d.h. es wird erstmalig sichergestellt, dass die geplanten Ziel auch wirklich eingehalten werden; außerdem ist die Menge der Zertifikate so gering, dass – im Gegensatz zu heute – ein echter Wettbewerb im die Zertifikate stattfinden wird

Die bedeutendste Änderung besteht darin, dass nicht die Produzenten von CO2 (das bei der Verbrennung kohlenstoffhaltiger Energieträger entsteht) also Kraftwerke, Auto- und Hausbesitzer, etc. die Emissionszertifikate kaufen müssen, sondern Anbieter von kohlenstoffhaltigen Energieträgern, und zwar je nach Menge des freigesetzten CO2 pro Energieinhalt des Stoffes (demnach für Braunkohle mehr als für Erdöl mit dem selben Energieinhalt).

Hierdurch – so die Theorie – verteuern sich die kohlenstoffhaltigen Energieträger dermaßen, dass eine Lawine technischer Innovationen zur Energieeinsparung und ein Umstieg auf CO2 neutrale (regnerative) Energieträger losgetreten wird, die Klimaschutz effektiver als bisher macht.

Ich persönlich halte dieses System für einen sehr sinnvollen Vorschlag, bezweifle aber, dass damit alle weiteren Regelungen hinfällig werden (es würde nämlich auch künftig kurzfristig gedacht – z.B bzgl. der Glühlampen, die nun mal konzeptbedingt günstiger als Energiesparlampen sind).

Dem Ziel der öksozialen Marktwirschtschaft, jedem Menschen der Welt eine bestimmte Menge an CO2 Emissionen pro Jahr zu erlauben, würde das vorgeschlagene System sicher dienen, denn die zulässigen Emissionen eines Landes würde dann von seiner Einwohnerzahl abhängen; somit müssten die Industrienationen bei weltweiter Anwendung des Systems z.T zusätzliche Emissionsrechte von emissionsarmen (Entwicklungs-)Ländern kaufen, was diesen Vorteile verschaffen würde, womit sie für den Klimaschutz zu gewinnen sind…

4 Comments Add your own

  • 1. Gregor  |  März 18th, 2007 at 18:59

    “Ich persönlich halte dieses System für einen sehr sinnvollen Vorschlag, bezweifle aber, dass damit alle weiteren Regelungen hinfällig werden (es würde nämlich auch künftig kurzfristig gedacht – z.B bzgl. der Glühlampen, die nun mal konzeptbedingt günstiger als Energiesparlampen sind).”
    Dem kann ich nicht vollständig zustimmen. Würde das System nämlich optimal funktionieren, so würde die Glühbirne teurer werden als die Energiesparlampe aufgrund des im Privathaushalt höheren Energieverbrauchs und somit der höheren CO2 Emissionen.

    Wichtig ist nur, wirklich die ganze Welt für dieses System zu gewinnen, da sonst der gewünschte Effekt ausbleiben würde.
    Vielleicht ist ja schon eine Einigung in Heiligendamm möglich….

  • 2. Matthias  |  März 18th, 2007 at 19:44

    Die Frage ob es gelingt die ganze Welt für das vorgeschlagene System zu gewinnen ist sicherlich langfristig entscheidend, ich denke aber, dass es noch keinen weltgeschichtlichen Prozess gegeben hat, bei dem von Anfang an alle aktiv beteiligt waren. Es dürfte daher auch wichtig sein das System anfangs so auszugestalten, dass es mit relativ wenigen Teilnehmern erfolgreicht ist und so andere Länder animiert werden “auf den zug aufzuspringen”. Ein Beispiel dafür wäre z.B. Entwicklungsländer mit geringen Emissionen mit hohen Zertifikaten (höher als eigene Emissionen) zu locken, damit sie diese dann an die Industrienationen verkaufen können. Danach kann ja das Kontinget verknappt werden, wenn die Effizienzsteigerungslawine läuft.

  • 3. Danny Busch  |  März 18th, 2007 at 21:40

    Laut Forschungszentrum Jülich ist Wasserdampf das Treibhausgas Nummer 1. Wasserdampf hat in der höheren Atmosphäre um 75% zugenommen, Methan hat um 140% zugenommen, CO2 jedoch “nur” um 40%. Zudem ist die Rückstrahlung von Wärme durch CO2 aufgrund der Wellenlänge bereits gesättigt, so dass eine Erhöhung von CO2 nicht unbedingt auch zu einer Erhöhung der Temperatur führen wird.

    siehe auch Infosammlung unter http://www.klickbrett.de/?p=145

    Viele Grüße
    Danny Busch

  • 4. Ulf  |  März 19th, 2007 at 11:12

    Ich habe mir mal den Bericht des Forschungszentrums Jülich durchgelesen. Da steht: “Um mehr als 75 Prozent ist die Konzentration [des Wasserdampfes] in den oberen Luftschichten in den letzten 45 Jahren angestiegen” und “Je mehr sich die Erde erwärmt, desto mehr Wasser verdampft und erhöht in den oberen Luftschichten wiederum den Treibhauseffekt - eine positive Rückkopplung.” Das alles verstehe ich so weit. Was mich nur wundert ist, dass in dem Bericht nur steht, um wieviel Prozent die jeweiligen Gase zugenommen haben, aber ich vermisse die absoluten Zahlen, bzw. die Anteile von Wasserdampf, Methan und CO2 in der Atmosphäre. Solange die fehlen hinkt auch die Argumentation.

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