Im Osten geht (hoffentlich) die Sonne auf

März 26th, 2007

Was man aus der Volksrepublik China hört ist aus Sicht eines Mitteleuropäers meist nichts Gutes - Ein Staat der Wachstumsraten erzielt, von denen die Industriestaaten nur träumen können. 10,7 % Wirtschaftswachstum fallen aber leider nicht vom Himmel, sondern müssen teuer “erkauft” werden. Umweltauflagen für Firmen gibt es nicht, konsequenter Weise hat China aus Angst um seine Wirtschaft nicht das Kyoto-Protokoll unterzeichnet. Ein staatliches Gesundheitswesen ist ebenso wenig zu erkennen, wie eine effektive Bekämpfung der Korruption. Das schlimmste an diesen Fakten ist aber, dass nur eine schmale Oberschicht von diesen inaktzetablen Zuständen profitiert, während der Großteil der Bevölkerung (~800 Mio Menschen), insbesondere die Landbevölkerung, nichts von dem großen Kuchen abbekommt, den es zu verteilen gilt. Im Gegenteil, Menschenrechte werden mit Füßen getreten, wenn beispielsweise für den Bau einer neuen Fabrik oder eines Staudammes (wir haben alle den Yangtsekiang-Staudamm vor Augen) die Landbevölkerung mit lächerlichen Entschädigungen umgesiedelt wird. In China ist die Kluft zwischen Arm und Reich in den letzten Jahren extrem geworden.

In der Bevölkerung rumort es aber, denn langsam ist ein kritischer Punkt erreicht, ab dem sich Kleinbauern nicht mehr von Peking bevormunden, oder schikanieren lassen wollen. Deutlich wird dies beispielweise an den Unruhen in der Hunan Provinz, in der kürzlich 20000 Bürger auf die Straße gingen, um gegen die Erhöhung der Kosten für den Nahverkehr zu protestieren. Auch wenn es für uns wohlstandsverwöhnte Europäer lächerlich erscheint, aber für Menschen mit einem durchschnittlichen Einkommen von umgerechnet 460$ ist eine Fahrpreiserhöhung um $1.41 eine Existenzbedrohung.

Um diesen Entwicklungen entgegen zu steuern, hat sich jetzt der Nationalkongress mit der Armutsproblematik befasst. Die Ausgaben für die Unterstützung ländlicher Gebiete werden um 15% auf 50 Mrd U$ erhöht, die Schulgebühren werden bis zur 9. Klasse abgeschafft und das Gesundheitsbudget wird um 87% auf 4 Mrd$ aufgestockt. Darüber hinaus wurden die Steuern auf landwirtschaftliche Erzeugnisse abgeschafft und es soll ein Minikreditprogramm für Kleinunternehmer ins Leben gerufen werden. Auch wenn diese kleinen Schritte nur einen kleinen Teil zur Lösung der angesprochenen Probleme beitragen, so muss man doch positiv bewerten, dass ein langsamer, zögerlicher Prozess des Umdenkens in der Volksrepublik einsetzt.

Die chinesische Führung tut dies keinesfalls aus reiner Menschenliebe, sondern diese Maßnahmen dienen letztendlich ihrem Machterhalt. 24 Mio Arbeitslose und eine extreme Landflucht (200 Mio Menschen sind in den letzten 15 Jahren vom Land in die Stadt gezogen) zwingen die chinesischen Machthaber zu diesen Schritten. Am Beispiel China wird deutlich, dass der pure Kapitalismus viele negative Auswirkungen auf die Gesellschaft und nicht zuletzt auch auf die Umwelt hat. Für China ist die Kluft zwischen Arm und Reich ein nationales Problem, das deren nationale Sicherheit und Stabilität in hohem Maße gefährdet. Die Welt hat im Grunde genau das gleiche Problem, allerdings sehen die nationalen Machthaber noch nicht die Konsequenzen, die die Fortführung des bisherigen globalen Wirtschaftssystem hat. Der Prozess des Umdenkens ist in Anbetracht der globalen Herausforderungen unbedingt notwendig und er kann nur durch öffentliches Interesse und öffentlichen Druck eingeleitet werden.

Es liegt also an uns,…

1 Comment Add your own

  • 1. tim  |  Februar 16th, 2008 at 20:51

    Ich finde es gut und richtig, dass mittlerweile eine Zivilbevölkerung in China entsteht, die für ihre Rechte eintritt. Der wirtschaftliche Aufschwung hat auch dazu geführt, dass immer mehr Menschen sich nicht mehr vom Staat gängeln lassen. Auch wenn die Erfolge im Einzelnen klein erscheinen mögen, ist China auf dem richtigen Weg. Endlich.

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