Archive for April, 2007

Die Geschichte der Osterinsel - Oder die Zukunft der Erde?

Statuen OsterinselIm Jahr 1722 entdeckte der holländische Seefahrer Jacob Roggeveen im Südpazifik eine wundersame Insel. An den Ufern standen riesige Statuen, von denen sich niemand erklären konnte, wie sie dort hingekommen waren, denn es gab keine nennenswerte Vegetation auf der Insel und die wenigen noch verbliebene Einheimische lebten unter erbärmlichen Bedingungen.

Die Statuen gaben lange Rätsel auf, doch heute ist ihr Geheimnis gelüftet: Die Osterinsel war ca. 1000 Jahre vor Ankunft der Holländer besiedelt worden. Zu dieser Zeit war die Insel noch mit üppigem Wald bedeckt. Der Wald war die Lebensgrundlage der Menschen, mit Holz bauten die Menschen ihre Häuser, Boote und mit Hilfe von Seilen und Baumstämmen konnten die gigantischen Steinfiguren transportiert und aufgerichtet werden. Im Laufe der Zeit brach ein Wettstreit unter den verschiedenen Stämmen aus, wer die größte Kultstatue errichten konnte. Der Wald wurde immer mehr abgeholzt und so entzogen sich die Menschen ihre Lebensgrundlage, ohne sich über die verheerenden Folgen Gedanken zu machen. Durch den fehlenden Wald wurde der Boden ausgelaugt, Tiere verschwanden; letztlich brach die Zivilisation der Osterinsel zusammen und endete in Hungersnöten und Kannibalismus.

Was hat die Geschichte der Osterinseln mit der heutigen Welt zu tun? Wieso ist diese Geschichte von einem kleinen Südseevolk es überhaupt wert erzählt zu werden? Im Grunde genommen befindet sich die Welt in genau der gleichen Situation. Das auf der Erde vorherrschende System zerstört die Erde innerlich und äußerlich. Ein radikaler globaler Kapitalismus hält die Machthaber gefangen, sie haben keine Möglichkeit sich dem System zu entziehen, ohne dabei ihre Machtposition zu gefährden. Das System reißt die Kluft zwischen Arm und Reich tiefer als sie je war, man bedenke, dass 20% der Menschen über 80% des Kapitals verfügen! Ein Marktradikaler Kapitalismus steht einer nachhaltigen, umweltverträglichen Globalisierung im Weg. So entziehen sich Länder wie die USA oder China mit dem Verweiß auf ihre Wirtschaft Klimaschutzabkommen, ohne dabei zu bedenken, dass vielleicht schon ihre Enkel aufgrund des Klimawandels nicht mehr von ihrem erwirtschafteten Vermögen profitieren können.

Die Welt hat dann eine Zukunft, wenn der Großteil der Menschheit erkennt, dass ein nachhaltiges Wirtschaften, die einzige vertretbare Möglichkeit ist, den Menschen das Schicksal der Bewohner der Osterinsel zu ersparen. Von einer ökosozialen Marktwirtschaft profitieren alle, es geht nicht darum jemandem etwas weg zu nehmen. Ziel muss sein, dass internationale Rahmenbedingungen und Richtlinien festgelegt werden, die eine gerechtere Vermögensverteilung und ein umweltfreundliches Wirtschaften erreichen. Nur so besteht die Möglichkeit, den Klimawandel abzumildern und das enorme Konfliktpotenzial zwischen Arm und Reich abzubauen. Nur so kann eine innere und äußere Stabilität gewährleistet werden.

Add comment April 24th, 2007

Studie “Jugend 2007″

Jugendliche fordern klarere Aussagen von Erwachsenen und Medien

In Hamburg wurden heute die Ergebnisse der Studie “Jugend 2007 - zwischen Versorgungsparadies und Zukunftsängsten” vorgestellt. Die vom Axel Springer Mediahouse München in Auftrag gegebene Untersuchung wurde vom Bestseller-Autor Stephan Grünewald, Geschäftsführer des Rheingold Instituts, durchgeführt.

Demnach sind Jugendliche in Deutschland verunsichert. In einer von Konsum und Künstlichkeit geprägten Welt befinden sie sich auf der Suche nach Orientierung und positiven Werten. Dabei wünschen sie sich mehr Aufklärung und Unterstützung von Erwachsenen und Medien.

Das tolerante Versorgungsparadies Deutschland biete jungen Erwachsenen wenig Orientierung und Vorbilder und viele Jugendliche wüssten nicht mehr, wofür sie eintreten oder wogegen sie rebellieren sollten. Daher sei ein schnelles Umdenken in der Kommunikation mit Jugendlichen nötig. Teenager müssten durch konkrete Aufträge und Perspektiven das Gefühl bekommen, gebraucht zu werden. Erwachsene und Medien hingegen sollten ungeschönter informieren und klarere Positionen beziehen, um Jugendlichen die Chance zum Dialog zu geben. Jugendliche müssten herausgefordert werden. Zudem gehe es darum ihnen zu vermitteln, dass Entwicklungen und Fortschritte nicht glatt verlaufen, sondern nur über Widerstände, Rückschläge und Niederlagen möglich seien.

Moritz von Laffert, Geschäftsführer Axel Springer Mediahouse München: “Die Studie zeigt, dass sich Jugendliche mehr Klartext wünschen und dass es ihnen sehr wichtig ist, ernst genommen zu werden. Das ist eine Botschaft, die wir in unseren Titeln künftig noch stärker als bisher umsetzen werden.”

Vorgestellt wird die noch in drei weiteren Städten: am 17. April in Düsseldorf, am 23. April in Frankfurt und am 24. April in München.

Add comment April 17th, 2007

Vom Fräulein vom Amt zum indischen Global Player oder: Globalisierung hat viele Gesichter

Wer hat das Bild nicht vor Augen: Beamtinnen der Deutschen Telekom (damals noch ein Staatskonzern) sitzen an ausladenden Steckpulten und verbinden Anrufer und Angerufenen. Das war in den 1950er und 1960er Jahren.

Wenn man heute von ca. 50.000 Telekom-Mitarbeitern hört, die im Zuge des Konzernumbaus entlassen oder ausgelagert werden sollen, könnte man meinen, diese Fräulein von Amt würden erst heute entlassen.

Dabei ist eines klar: die Deutsche Telekom (längst ein privates Unternehmen) schleppt heute tatsächlich noch einen Mitarbeiterüberhang mit sich herum, der aufgrund des technischen Fortschritts überflüssig geworden ist und nun abgebaut werden muss um den Konzern konkurrenzfähig zu halten/machen.

>Dieser Prozess der Rationalisierung durch technischen Fortschritt hat man bereits in der Industrie (z.B. Maschinen- und Automobilproduktion), in der Landwirtschaft (z.B. Harvesting) und im Dienstleistungsbereich (z.B. Logistik) erlebt und sich auf diesen Strukturwandel eingestellt. Er widerspricht daher auch nicht einer global ausgelegte ökosozialen Marktwirtschaft.

Allerdings ist ein Teil des am Beispiel der deutschen Telekom skizzierten Beschäftigungsabbaus und der ebenso stattfindenden Lohnkürzungen auch auf ein anderes globales Phänomen zurückzuführen, das sehr wohl dem Leitbild einer nachhaltigen ökosozialen Marktwirtschaft unvereinbar gegenübersteht. Die Rede ist von Konzernbildung und globaler Monopolisierung durch Unterwanderung geltender und Verhinderung neu zu schaffender Umwelt- (im Telekommunikationsbereich eher weniger) und v.a. Sozialstandards.

Hierzu ein aktuelles Beispiel: Die Telecom Italia steht momentan vor der Übernahme durch einen anderen Telekommunikationskonzern. Neben europäischen Konzernen zeigt auch ein indischer großes Interesse und hat ebenso große Chancen das Rennen zu machen.

Grundsätzlich absolut in Ordnung, denn wer besser und erfolgreicher arbeitet sollte unabhängig von der Nationalität die Möglichkeit haben, am Weltmarkt teilzunehmen. Man sollte allerdings auch zur Kenntnis nehmen, dass der indische Konzern seine starke Finanzkraft durch eine Monopolstellung in einigen indischen Provinzen erlangt hat, indem er nach Belieben höhere Preise von den Telefonkunden verlangen konnte. Da europäische und amerikanische Konzerne solche eine Stellung nicht besitzen (zumindest nicht direkt -> siehe folgende Überlegungen) und sich im Preiswettbewerb befinden, ist es es ihnen kaum möglich die hohen Gewinne des indischen Konzerns zu erwirtschaften und damit ihre globale Position auszubauen.

Die unmittelbare Folge sind daher Lohndumping und teils erzwungene Entlassungen in europäischen und amerikanischen Konzernen um profitabler zu werden (siehe oben am Beispiel der deutschen Telekom), was zu

sozialen Problemen (aktuelle Debatte um Vollzeitbeschäftigte, die keine Familie ernähren können) und

mangelndem Service führt.

Langfristige Folgen sind entweder Preisabsprachen/Kartelle führender Konzerne in Europa und USA (indirektes Monopol) oder eine Ausverkauf dieser Konzerne z.B. an den indischen Konzern (direktes Monopol). Auf jeden Fall steigen die Preise für den Endkunden, was heute schon im Energiebereich gesehen werden kann (hier ist allerdings z.B die deutsche Eon der monopolbesitzende “Inder”, der z.B. die spanische Endesa schlucken will) und den Zielen der Liberalisierung/Privatisierung der Märkte klar zuwiderläuft.

Die Frage ist daher, ob es generell sinnvoll ist Leistungen, die die Grundbedürfnisse der Bürger decken und - wie im Energiebereich - (umwelt)politischen Zielen dienen, zu privatisieren?

Als Anhänger der Ökosozialen Marktwirtschaft, würde ich dies persönlich zwar in vielen Bereichen (Außnahmen etwa bei hoheitlichen Aufgaben wie Flugsicherung etc.) befürworten, allerdings nur, wenn Mechanismen

- den fairen Wettbewerb unter gleichen Bedingungen (hier: kein Monopol im Heimatmarkt)

ohne Möglichkeit der Kartellbildung (evtl staatliche Netze)

und unter Wahrung sozialer und ökologischer Standards (siehe: Artikel “Kohlenstoffsteuer”) sichern.

Lasst uns also daran arbeiten der Globalisierung ein positives Gesicht zu geben

Add comment April 4th, 2007


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