Vom Fräulein vom Amt zum indischen Global Player oder: Globalisierung hat viele Gesichter
April 4th, 2007
Wer hat das Bild nicht vor Augen: Beamtinnen der Deutschen Telekom (damals noch ein Staatskonzern) sitzen an ausladenden Steckpulten und verbinden Anrufer und Angerufenen. Das war in den 1950er und 1960er Jahren.
Wenn man heute von ca. 50.000 Telekom-Mitarbeitern hört, die im Zuge des Konzernumbaus entlassen oder ausgelagert werden sollen, könnte man meinen, diese Fräulein von Amt würden erst heute entlassen.
Dabei ist eines klar: die Deutsche Telekom (längst ein privates Unternehmen) schleppt heute tatsächlich noch einen Mitarbeiterüberhang mit sich herum, der aufgrund des technischen Fortschritts überflüssig geworden ist und nun abgebaut werden muss um den Konzern konkurrenzfähig zu halten/machen.
>Dieser Prozess der Rationalisierung durch technischen Fortschritt hat man bereits in der Industrie (z.B. Maschinen- und Automobilproduktion), in der Landwirtschaft (z.B. Harvesting) und im Dienstleistungsbereich (z.B. Logistik) erlebt und sich auf diesen Strukturwandel eingestellt. Er widerspricht daher auch nicht einer global ausgelegte ökosozialen Marktwirtschaft.
Allerdings ist ein Teil des am Beispiel der deutschen Telekom skizzierten Beschäftigungsabbaus und der ebenso stattfindenden Lohnkürzungen auch auf ein anderes globales Phänomen zurückzuführen, das sehr wohl dem Leitbild einer nachhaltigen ökosozialen Marktwirtschaft unvereinbar gegenübersteht. Die Rede ist von Konzernbildung und globaler Monopolisierung durch Unterwanderung geltender und Verhinderung neu zu schaffender Umwelt- (im Telekommunikationsbereich eher weniger) und v.a. Sozialstandards.
Hierzu ein aktuelles Beispiel: Die Telecom Italia steht momentan vor der Übernahme durch einen anderen Telekommunikationskonzern. Neben europäischen Konzernen zeigt auch ein indischer großes Interesse und hat ebenso große Chancen das Rennen zu machen.
Grundsätzlich absolut in Ordnung, denn wer besser und erfolgreicher arbeitet sollte unabhängig von der Nationalität die Möglichkeit haben, am Weltmarkt teilzunehmen. Man sollte allerdings auch zur Kenntnis nehmen, dass der indische Konzern seine starke Finanzkraft durch eine Monopolstellung in einigen indischen Provinzen erlangt hat, indem er nach Belieben höhere Preise von den Telefonkunden verlangen konnte. Da europäische und amerikanische Konzerne solche eine Stellung nicht besitzen (zumindest nicht direkt -> siehe folgende Überlegungen) und sich im Preiswettbewerb befinden, ist es es ihnen kaum möglich die hohen Gewinne des indischen Konzerns zu erwirtschaften und damit ihre globale Position auszubauen.
Die unmittelbare Folge sind daher Lohndumping und teils erzwungene Entlassungen in europäischen und amerikanischen Konzernen um profitabler zu werden (siehe oben am Beispiel der deutschen Telekom), was zu
sozialen Problemen (aktuelle Debatte um Vollzeitbeschäftigte, die keine Familie ernähren können) und
mangelndem Service führt.
Langfristige Folgen sind entweder Preisabsprachen/Kartelle führender Konzerne in Europa und USA (indirektes Monopol) oder eine Ausverkauf dieser Konzerne z.B. an den indischen Konzern (direktes Monopol). Auf jeden Fall steigen die Preise für den Endkunden, was heute schon im Energiebereich gesehen werden kann (hier ist allerdings z.B die deutsche Eon der monopolbesitzende “Inder”, der z.B. die spanische Endesa schlucken will) und den Zielen der Liberalisierung/Privatisierung der Märkte klar zuwiderläuft.
Die Frage ist daher, ob es generell sinnvoll ist Leistungen, die die Grundbedürfnisse der Bürger decken und - wie im Energiebereich - (umwelt)politischen Zielen dienen, zu privatisieren?
Als Anhänger der Ökosozialen Marktwirtschaft, würde ich dies persönlich zwar in vielen Bereichen (Außnahmen etwa bei hoheitlichen Aufgaben wie Flugsicherung etc.) befürworten, allerdings nur, wenn Mechanismen
- den fairen Wettbewerb unter gleichen Bedingungen (hier: kein Monopol im Heimatmarkt)
ohne Möglichkeit der Kartellbildung (evtl staatliche Netze)
und unter Wahrung sozialer und ökologischer Standards (siehe: Artikel “Kohlenstoffsteuer”) sichern.
Lasst uns also daran arbeiten der Globalisierung ein positives Gesicht zu geben…
Kategorie: Aktuelles | add to mister wong












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