Archive for August, 2007

Biosprit - Eine umwelt- und sozialverträgliche Alternative?

Wer Öl besitzt hat Macht! Öl ist mittlerweile zum wichtigsten Rohstoff geworden und die natürlichen Reserven sind begrenzt. Öl wird daher immer teurer und wenn in den Entwicklungsstaaten wie China oder Indien ein Teil des Wohlstands für die Bevölkerung abfallen wird, ist das Chaos vorprogrammiert. Kriege, die heute im Irak und in Afrika um Öl geführt werden, sind nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns in der Zukunft noch in Sachen Ressourcenkriege bevorsteht, wenn wir es nicht schaffen uns vom Öl unabhängig zu machen.

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Was tun? Hybridautos brauchen auch Benzin und sind momentan noch zu teuer. Alternative Antriebssysteme wie die Brennstoffzelle sind noch 15 bis 20 Jahre von der Marktreife entfernt. Eine Alternative, die insbesondere der brasilianische Staatschef Luiz Lula da Silva und auch der amerikanische Präsident Bush auf dem G-8 Gipfel propagierten ist, auf Ethanol umzusteigen.

Die Vorteile von Ethanol liegen auf der Hand. Ethanol ist im Grunde Alkohol und kann aus Zuckerrohr hergestellt werden, es ist somit ein regenerativer Rohstoff. Darüber hinaus entsteht bei der Verbrennung von Ethanol weniger CO2, als bei der Verbrennung von normalem Benzin bzw. Diesel und kein Kohlenstoffmonoxid. Das klingt alles soweit ganz verlockend und spätestens der letzte wird hellhörig, wenn er erfährt, dass in Brasilien der Liter Biosprit ca. 65 Cent kostet und die meisten dort ausgelieferten Neuwagen dank flexibler Motoren mit Benzin, Ethanol oder einem Mix fahren können.

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Der Haken an der ganzen Sache ist, dass das Ethanol nur deswegen so billig ist, weil das Zuckerrohr unter menschenunwürdigen Bedingungen geerntet und weiterverarbeitet wird. Ein Arbeiter erhält pro geerntete Tonne (!) Zuckerrohr umgerechnet ca. 90 Cent und schafft am Tag 10 bis 20 Tonnen, muss aber dann noch fürchten, bei der Abrechnung übers Ohr gehauen zu werden, weil die meisten von den Arbeitern weder lesen noch schreiben, oder rechnen können. Die Zuckerrohrfelder werden, bevor sie abgeerntet werden, angezündet, um Kleintiere wie Schlangen, Käfer, Spinnen und Skorpione zu vertreiben. Dabei wird nicht nur die Umwelt belastet, sondern die Arbeiter schädigen ihre Gesundheit durch den bei den Bränden erzeugten Feinstaub. Die Arbeit findet ausschließlich bei Tage statt, es herrschen Temperaturen über 30 Grad. Die meisten Menschen haben keine andere Wahl, als die Arbeitsbedingungen zu akzeptieren, sie haben meist keine Schulbildung und es stehen viele bereit, die ihren Arbeitsplatz einnehmen würden. Gewerkschaften auf dem Land sind sehr schwach und können nichts gegen die Großgrundbesitzer ausrichten.

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Diejenigen, die von dieser modernen Form der Sklaverei profitieren, sind die die das Land besitzen. (Die SZ nennt eine Familie, der mehr als 16000 Hektar Land besitzt). Die Arbeits- und Betriebskosten sind gering, die Nachfrage riesig und der gezahlte Preis ist daher hoch. Momentan werden allein in Brasilien auf 6,5 Millionen Hektar mit Zuckerrohr angebaut, bis 2012 sollen es mindestens 8 Millionen Hektar sein!

Die genannten Zahlen und Arbeitsbedingungen machen stutzig und verdeutlichen, dass eine Änderung nötiger ist denn je. Brasilien hat keinen Grund seine Sozialstandards zu erhöhen, solange von außen (insbesondere von den USA) das Ethanol gekauft wird. Europa sollte sich Gedanken machen, ob es tatsächlich gewillt ist, in Zukunft auf Treibstoff zurückzugreifen, der unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert wird. Globale, verbindliche Sozialstandards, wie vom Global Marshall Plan gefordert, sind eine Möglichkeit, Menschen zu einem menschenwürdigen Dasein zu verhelfen und dabei trotzdem Treibstoffproblem zu lösen. Darüber hinaus wäre jeder Europäer bei Benzinpreisen um 1,35 € gerne dazu bereit, für den Liter Ethanol 80 Cent (statt 65 Cent) zu bezahlen, wenn er sicher wäre, dass kein Mensch in Brasilien für seinen Geiz sterben muss. Ethanol ist also eine Möglichkeit, die Abhängigkeit vom Öl zu reduzieren, aber die Erzeugung sollte aber nicht wie zu Zeit der Feudalherren und Sklaven vor 200 Jahren ablaufen.

[für Zahlen und Beispiele sei der SZ vom 13. Juni gedankt]

33 comments August 12th, 2007

Stoppt den Umwelschutz! Das Erdklima ist doch gerettet, oder?

Bis vor kurzem wusste keiner so genau, warum all die Klimadebatten so nach und nach aus den Medien verschwunden sind. Es schien so, als hätten wir überhaupt kein Problem mehr und als wäre der dritte UN-Klimabericht, der erst vor ca. 2 Monaten erschien und in dem sogar ein möglicher durchschnittlicher Temperaturanstieg von 6 Grad bis zum Jahre 2100 prognostiziert wurde, nie existent gewesen.
Das stellt sich die Frage, warum ist das so? Und ein Grund der unserer Redaktion von einer zuverlässigen Quelle mitgeteilt wurde ist der, dass man nun hat endlich die Lösung schlechthin glaubte gefunden zu haben.
Und zwar eine solche, bei der man den Temperaturanstieg verhindern kann, ohne die wirtschaftswachstumsfördernden Co2 Emissionen einzusparen zu müssen.
Einfach munter weiter und richtig dolle Schmutz machen, denn das Heilmittel scheint, bzw. schien gefunden zu sein.
Die hitzigen Diskussionen und Umweltfürsprecher wurden also schleichend langsam aus der Öffentlichkeit verbannt, da nicht weiter Staub aufgewirbelt werden sollte, den man bald mit einer neuartigen Technologie aufsaugen wollte.
Eine mögliche Lösung, die bis vor Kurzem wirklich ernsthaft im Gespräch war, war nämlich die, dass das Treibhausgas an seiner Quelle, nämlich in den Kohlekraftwerken z.B., verflüssigt und per Pipeline zu unterirdischen Lagerstätten gepumpt werden sollte. Um die Machbarkeit der Idee zu untersuchen bohrten Forscher im brandenburgischen Ketzin
ein 800 Meter tiefes Loch, das in eine Lagerstätte aus porösen Sandstein führte. Zurzeit werden da immer noch täglich 100 Tonnen Co2 runtergepumpt und ein natürlicher Deckel aus Ton und Gips soll -so hofft man- das Gas für Jahrmillionen daran hindern auszuströmen. Vor geraumer Zeit ist jedoch durchgesickert (-:, dass ähnliche Tests, die ja im Grunde nichts anderes tun als ein weiteres Element zu verseuchen, in Texas dazu geführt haben, dass das Gas zusammen mit Salzlake in den Poren des Sandsteines Kohlensäure bildete, die die Bohrlöcher und sogar den Felsdeckel des Reservoirs angriff. Dadurch haben sich in der Erde tiefe Risse gebildet, aus denen das Treibhausgas wieder entweichen konnte. Schöne Bescherung. Wird es wohl doch, spätestens nach dem Artikel hier, wieder Klimadebatten geben.
Bevor ich meinen Dreck in den Boden pumpe, der dann wieder hochsteigt, pflanz ich persönlich auf jeden Fall lieber einen Baum.
Der hilft wirklich!

8 comments August 7th, 2007

Blog zum Thema Nachhaltigkeit, Jugend und Politik wieder aktiv

Connecting Youth hat sich in den letzten Monaten eine kleine Blog Pause gegönnt, die auf Grund aktueller Begebenheiten wie z.B. dem Abitur vieler Mitglieder in diesem Jahr unvermeidlich war. Aber ab sofort sind wir wieder mit schönen Artikeln und Beiträgen im WWW dabei! :)

Add comment August 2nd, 2007


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