Biosprit - Eine umwelt- und sozialverträgliche Alternative?

August 12th, 2007

Wer Öl besitzt hat Macht! Öl ist mittlerweile zum wichtigsten Rohstoff geworden und die natürlichen Reserven sind begrenzt. Öl wird daher immer teurer und wenn in den Entwicklungsstaaten wie China oder Indien ein Teil des Wohlstands für die Bevölkerung abfallen wird, ist das Chaos vorprogrammiert. Kriege, die heute im Irak und in Afrika um Öl geführt werden, sind nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns in der Zukunft noch in Sachen Ressourcenkriege bevorsteht, wenn wir es nicht schaffen uns vom Öl unabhängig zu machen.

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Was tun? Hybridautos brauchen auch Benzin und sind momentan noch zu teuer. Alternative Antriebssysteme wie die Brennstoffzelle sind noch 15 bis 20 Jahre von der Marktreife entfernt. Eine Alternative, die insbesondere der brasilianische Staatschef Luiz Lula da Silva und auch der amerikanische Präsident Bush auf dem G-8 Gipfel propagierten ist, auf Ethanol umzusteigen.

Die Vorteile von Ethanol liegen auf der Hand. Ethanol ist im Grunde Alkohol und kann aus Zuckerrohr hergestellt werden, es ist somit ein regenerativer Rohstoff. Darüber hinaus entsteht bei der Verbrennung von Ethanol weniger CO2, als bei der Verbrennung von normalem Benzin bzw. Diesel und kein Kohlenstoffmonoxid. Das klingt alles soweit ganz verlockend und spätestens der letzte wird hellhörig, wenn er erfährt, dass in Brasilien der Liter Biosprit ca. 65 Cent kostet und die meisten dort ausgelieferten Neuwagen dank flexibler Motoren mit Benzin, Ethanol oder einem Mix fahren können.

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Der Haken an der ganzen Sache ist, dass das Ethanol nur deswegen so billig ist, weil das Zuckerrohr unter menschenunwürdigen Bedingungen geerntet und weiterverarbeitet wird. Ein Arbeiter erhält pro geerntete Tonne (!) Zuckerrohr umgerechnet ca. 90 Cent und schafft am Tag 10 bis 20 Tonnen, muss aber dann noch fürchten, bei der Abrechnung übers Ohr gehauen zu werden, weil die meisten von den Arbeitern weder lesen noch schreiben, oder rechnen können. Die Zuckerrohrfelder werden, bevor sie abgeerntet werden, angezündet, um Kleintiere wie Schlangen, Käfer, Spinnen und Skorpione zu vertreiben. Dabei wird nicht nur die Umwelt belastet, sondern die Arbeiter schädigen ihre Gesundheit durch den bei den Bränden erzeugten Feinstaub. Die Arbeit findet ausschließlich bei Tage statt, es herrschen Temperaturen über 30 Grad. Die meisten Menschen haben keine andere Wahl, als die Arbeitsbedingungen zu akzeptieren, sie haben meist keine Schulbildung und es stehen viele bereit, die ihren Arbeitsplatz einnehmen würden. Gewerkschaften auf dem Land sind sehr schwach und können nichts gegen die Großgrundbesitzer ausrichten.

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Diejenigen, die von dieser modernen Form der Sklaverei profitieren, sind die die das Land besitzen. (Die SZ nennt eine Familie, der mehr als 16000 Hektar Land besitzt). Die Arbeits- und Betriebskosten sind gering, die Nachfrage riesig und der gezahlte Preis ist daher hoch. Momentan werden allein in Brasilien auf 6,5 Millionen Hektar mit Zuckerrohr angebaut, bis 2012 sollen es mindestens 8 Millionen Hektar sein!

Die genannten Zahlen und Arbeitsbedingungen machen stutzig und verdeutlichen, dass eine Änderung nötiger ist denn je. Brasilien hat keinen Grund seine Sozialstandards zu erhöhen, solange von außen (insbesondere von den USA) das Ethanol gekauft wird. Europa sollte sich Gedanken machen, ob es tatsächlich gewillt ist, in Zukunft auf Treibstoff zurückzugreifen, der unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert wird. Globale, verbindliche Sozialstandards, wie vom Global Marshall Plan gefordert, sind eine Möglichkeit, Menschen zu einem menschenwürdigen Dasein zu verhelfen und dabei trotzdem Treibstoffproblem zu lösen. Darüber hinaus wäre jeder Europäer bei Benzinpreisen um 1,35 € gerne dazu bereit, für den Liter Ethanol 80 Cent (statt 65 Cent) zu bezahlen, wenn er sicher wäre, dass kein Mensch in Brasilien für seinen Geiz sterben muss. Ethanol ist also eine Möglichkeit, die Abhängigkeit vom Öl zu reduzieren, aber die Erzeugung sollte aber nicht wie zu Zeit der Feudalherren und Sklaven vor 200 Jahren ablaufen.

[für Zahlen und Beispiele sei der SZ vom 13. Juni gedankt]

33 Comments Add your own

  • 1. Philipp  |  Oktober 15th, 2007 at 15:34

    Solange die Alternativen so trostlos sind, versuche ich lieber, weiterhin so gut es geht auf ein Auto zu verzichten. Auch wenn es Leute gibt, die es armselig finden, kein Auto zu besitzen.

  • 2. Gilles  |  Oktober 30th, 2007 at 14:14

    Wobei die Iraker nun auch schon bei ihren eigenen tankstellen anstehen müssen :D

  • 3. heinz peters  |  November 16th, 2007 at 19:22

    Man sollte hier schon viel weiter sein mit alternativen Energien.
    Wir sollten uns die Preise nicht von anderen diktieren lassen.

  • 4. Matthias  |  November 26th, 2007 at 10:13

    Bei den derzeitigen Ölpreisen ist es sicherlich an der Zeit, sich auf die Suche nach Alternativen zu begeben.

  • 5. Andi  |  November 26th, 2007 at 16:12

    Bist Du schon mal hinter einem Auto gefahren, das einen Biodieselmotor hat? Hatte schon mal die Freude :)! Dachte anfangs, an meinem Auto schmorrt was durch, da das so komisch gestunken hat. Hab aber dann am Auto vor mir gelesen “Fahre mit Biodiesel”. Die Autos bräuchten also dann alle erst mal ne andere Klimaanlage, die die Luft vom Dach das Autos nimmt oder so was in der Art ;-)

    Gruß,
    Andi

  • 6. Patt  |  November 27th, 2007 at 19:08

    Mmmh man brauch garnicht so weit weg schauen, bei uns schaffen viele Bauern das Getreide zur Energiegewinnung anstatt daraus Brot zu machen… Die Rapsfelder verseuchen den Boden, weils einfach zu oft angebaut wird usw…
    Irgendwie funktioniert das mit den Alternativen Energie noch nicht so richtig…

  • 7. WoW Bot  |  November 29th, 2007 at 08:23

    Autofahren wird bei den aktuellen Benzinpreisen immer mehr zum Luxus.

  • 8. Janis  |  Dezember 2nd, 2007 at 18:11

    Also ich hoffe sehr, dass die Hybridautos in absehbarer Zeit deutlich günstiger werden, damit auch ich mir ein solches leisten kann. Alles andere ist mehr als kritisch zu betrachten bei den aktuellen Benzinpreisen.

  • 9. Backlink  |  Dezember 13th, 2007 at 11:10

    Ein Hybrid Auto wäre für mich bei den heutigen Sprit Kosten auch eine Alternative gleichwohl die Anschaffungskosten doch jenseits zwischen gut und böse liegen.

  • 10. Luftgucker  |  Dezember 18th, 2007 at 21:41

    Die Arbeitsbedingungen in Brasilien sind katastrophal,
    es sollte sich dringend etwas ändern!! Nur so können
    wir mit gutem Gewissen auf Ethanol umsteigen.
    Dies führt natürlich auch zum Umweltschutz,
    da bei der Verbrennung von Ethanol weniger
    CO2 ensteht.

  • 11. richiard  |  Dezember 23rd, 2007 at 22:32

    ich kann nur erdgas empfehlen - kostet einmalig ca. 2000 eur oder sowas - dafür spart man ca. 50 % pro “liter”. wenn man sich ein ziemlich neues auto holt und es einige jahre fahren möchte, geht sicherlich die rechnung auf. außer man kauft sich einen 3 l lupo oder sowas.

  • 12. SPAM  |  Dezember 25th, 2007 at 11:23

    Ach, sehen wir die hohen Benzinpreise mal von der positiven Seite, wenn es so teuer ist, dass es sich keiner mehr leisten kann, dann wird automatisch die Umwelt entlastet :)

  • 13. Corinna  |  Dezember 26th, 2007 at 08:46

    Auch Ethanal als Kraftstoff dürfte sich wohl immer mehr durchsetzen und spielt zumindest in Südamerika schon eine wichtige Rolle. Für viele dürfte sich aber zur Zeit auch noch eine Umrüstung auf Erdgas oder Autogas lohnen.

  • 14. Harnik  |  Dezember 27th, 2007 at 10:18

    Da werden ja bald schlimme Zeiten für die Ölscheichs der Welt anbrechen. Nee, aber mal ehrlich, ich glaube nicht das es in absehbarer Zeit gelingt, Hybridautos, die für die breite Masse tauglich sind, herzustellen.

  • 15. Nadine  |  Dezember 30th, 2007 at 20:34

    Im Moment gibt es leider keine Alternative für das normale Benzin. Es muss wirklich ein großer Wechsel passieren, durch Wasserstoff oder etwas ganz neues. So müssen wir wohl immer die hohen Benzinpreise zahlen.

  • 16. Sozialnetz  |  Januar 2nd, 2008 at 08:59

    Die Konzerne haben kein Interesse an Alternativen. Prototypen gibts genug - nur die Verbreitung ist uninteressant.

  • 17. Christian  |  Februar 10th, 2008 at 01:27

    Also ich denke auch nicht, dass Biosprit die Alternative ist. Ich finde, dass es zum einen nicht viel billiger ist, zum anderen wird viel Wald gerodet, damit man die Plantagen anlegen kann.
    Und dann wird das leider auch noch durch den Staat gefördert siehe <a href=”http://www.energie-kosten-reduzieren.de/Energie-Sparen/2008/02/04/mehr-biosprit-im-benzin-ab-01012009/” title=”Biosprit”>Biosprit</a> Erhöhung bei Benzin ab 01.01.2009

  • 18. mpu  |  März 10th, 2008 at 13:39

    Die Beinmischung von Biosprit kann ja wohl auch keine Alternative darstellen zumal immer größere Flächen an Urwäldern dran glauben mussen um dort Monokulturen anzusiedeln

  • 19. japp  |  März 21st, 2008 at 21:14

    Biosprit ist nun wirklich eine Perversion von Umweltschutz. Zu Ethanol: Es schadet vielen Motoren, heizt die Inflation an, indem Lebensmittel teurer werden, etc.
    Die Welt hungert - und Mais wird ins Auto gegossen.

  • 20. Browsergames Jürgen  |  April 11th, 2008 at 21:31

    Es gibt zur Zeit eben keine vernünftige Alternative zu Benzin und Diesel. Die Brennstoffzelle wäre eine, befindet sich aber seit Jahrzehnten im Experimentierstadium.

  • 21. Spritpreis Rostock  |  Juli 8th, 2008 at 16:51

    Um das Thema mal wieder aufzugreifen, ich glaube so hoch war der Benzinpreis lange nicht mehr bzw. noch nie, jedes mal an der Tankstelle bekomme ich fast das heulen für ein paar Liter Super und bin wirklich auf der Suche nach einer Sparsamen alternative.

  • 22. Literaturepochen  |  Juli 16th, 2008 at 17:12

    ja die spritpreise sind langsam kein spaß mehr :/ wie soll sich ein normalverbraucher mit familie (ein verdiener in der familie) das noch leisten? da isses echt die günstigste alternative im moment, wenn man das auto stehen lässt und lieber mit dem rad fährt

  • 23. Gedichte Liebe  |  Juli 17th, 2008 at 16:31

    ja völlig richtig…ich beispielsweise habe 2 kinder und kann seit 1 jahr nicht mehr arbeiten, das heißt mein gehalt fällt schon mal weg..mein mann ist auch kein großverdiener..wir kommen im monat über die “runden” sagen wir mal, aber ersparen können wir uns nichts mehr..es ist teilweise so, dass man mann mit dem rad bis zur arbeit fährt..sind ca. 8 km…es geht einfach nicht anders - mit 2 kindern und einem gehalt wird das leben wie wir es jetzt mit den preisen führen immer teurer…damit haben wir uns arrangiert, dass wir bei gewissen dingen zurückstecken und eben kürzer treten müssen :(

  • 24. Olaf  |  Juli 24th, 2008 at 18:26

    Irgendwann wenn Öl endgültig zu Ende ist, wird Biospritt sicher eine der letzten Alternativen. Aber ob es deswegen “umweltverträglich” ist ist fragwürdig

  • 25. Wolfgang  |  September 16th, 2008 at 15:46

    Ich denke die Zukunft wird bei Elektroautos liegen. Sobald die Akkus noch etwas leichter und günstiger werden wird das interessant.

  • 26. Albrecht  |  Oktober 5th, 2008 at 09:13

    Sollten wir die Frage nicht anders stellen. es liegen tausende Hektar Land brach nur um EU Normen zu erfüllen. Also ist der Bio Sprit in meinen Augen schon eine Alternative. Das Problem ist wohl der Staat verdient zu wenig an diesem Produkt.

  • 27. Browsergames  |  Oktober 19th, 2008 at 12:40

    Stimmt, wenn die EU nicht die brach liegenden Felder auch noch fördern würde, könnten diese etwas nützliches anbauen. Aber es zählen ja nur Quoten und das große Geld!

  • 28. Schwarzfahrer  |  Oktober 31st, 2008 at 13:07

    Was nutzt das moralische Recht wenn die Gier über allem steht

  • 29. Insolvenz  |  November 7th, 2008 at 15:12

    Eine echte Alternative zum Bio-Sprit würde ich darin sehen dass man in den Industriestaaten die Klärabfälle aus Städten und Gemeinden zur Energiegewinnung und Biogas nutzen sollte. Dies hätte zugleich den Nutzen: Wasser wird gereinigt, Gas gewonnen, teure Düngemittel könnten als Abfallproduckte der Landwirtschaft zugeführt werden und zum anderem wird Wasser effektiv gereinigt.

  • 30. Spiele  |  November 13th, 2008 at 06:04

    Ich sehe das eigentlich wie Kommentar #12. Denn was will man noch groß zu dieser ganzen Diskussionen hinzufügen. Klar einfach die Klappe halten geht auch nicht. Aber wie er schon sagte, wenn die Benzinpreise steigen, ist dies auch eine Art die Umwelt zu schützen. Denn es hören zwar nicht alle auf das Auto zu benutzen, aber es werden deutlich sparsamere Strecken gefahren.

  • 31. Führerschein  |  Dezember 10th, 2008 at 12:05

    Das allerschlimmste ist das der Sogenannte Biosprit nicht nur wertvolles Land vernichtet, sondern auch Hungersnot verursacht. In Bangladesh werden beispielsweise ganze Jahresproduktionen an Mais aufgekauft wobei die Anbaugebiete für Reis immer mehr zurück gedrängt werden. Selbst unsere deutsche Bank ist in Bangladesh an Getreidefonds beteiligt und verursacht somit die hohen Lebensmittel-Preise und die weiter ansteigende Armut.

  • 32. Gratis Konto  |  Januar 26th, 2009 at 20:19

    auch die EU ist der Meinung, dass Biosprit ein übel ist und gottseidank kommen immer mehr drauf, dass es eine einzige Lüge ist, hinter dem Biosprit. Wir sollten sparen und nicht versuchen uns irgendwie auf hohen level mit biosprit über die runden zu retten!

  • 33. re-nature  |  Februar 22nd, 2009 at 11:11

    Was das Paradoxe am Umweltschutz ist, ist die Beseitigung der Luftverschmutzung: Durch Feinstaub und Ruß (Aerosole) in den Oberen Luftschichten wird ein Teil der Sonneneinstrahlung wieder zurück ins All geschickt. Dadurch kühlt sich die Erde ab! Da weniger Sonnenstrahlen auf unseren Planet ankommen. Aber durch den Treibhauseffekt erwärmt sich die Erde. Wenn die Luft wieder sauberer wird, wird die Globale Erderwärmung erst mal noch weiter voran schreiten. Da der Treibhauseffekt und die Aerosole nichts mit einander zu tun haben. Was will man denn machen, ich bin auch für Umweltschutz und betreibe eine eigene Seite über Umweltschutz. Es liegen aber so viele Dinge im Argen, dass man kaum gegen ankommt. Ich glaube, dass es jeder für sich entscheiden muss wie viel er an Umweltverschmutzung beisteuert. Immer nur anklagen hat auf Dauer keinen Zweck! Vorleben, dass es auch anders geht und Aufklärung betreiben sollte die Devise sein.

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