Klimaschutz: mal wieder falsch verstanden?
Januar 10th, 2008
An sich könnte man meinen, hier in Europa sei - wenn schon nicht das Weltklima - so doch wenigsten die (Klima-)Welt endlich in Ordnung: Europas Bürger und Politiker scheinen geeint in dem Wunsch nach mehr aktiver Klimapolitik und sehen in CO2 ihren gemeinsamen Feind. Auf den internationalen Klimakonferenzen fordern die Europäer strenge Ziele, die sie daheim schon per Vertrag fixiert haben: 20% weniger CO2 bis 2020!
Doch wenn man genauer hinsieht fällt auf, dass die meisten Länder noch keine konkreten Maßnahmen beschlossen haben, mit denen sie die Ziele erreichen wollen.
Deutschland tut sich hierbei sehr positiv hervor und hat ein Paket zur Energieeffizienz bei Gebäuden verabschiedet, das seine Wirkung sicher nicht verfehlt – v.a. wenn man bedenkt dass private Haushalte nach der Industrie die größten Energieverbraucher sind.
Anstatt dass andere (v.a. süd- und osteuropäische) Regierungen diesem positiven Beispiel folgen, haben sie sich nun auf den dritten und prozentual im Energieverbrauch weit hinter Haushalten und Industrie liegenden Bereich des Verkehrs eingeschossen.
Die Vermutung liegt nahe, dass sie dies tun um einerseits nicht als untätig zu gelten, anderseits aber um ihren Ländern tiefgreifende Veränderungen zu ersparen, die sich durch eigene Gesetze für Haushalte und Industrie ergäben.
Da ist es wohl einfacher die PKW-Industrie in die Pflicht zu nehmen. Besonders Italien und Frankreich, deren PKW-Hersteller seit Jahrzehnten v.a. kleine und somit relativ sparsame Automobile bauen, unterstützen dieses Verhalten und argumentieren, dass große Automobile ruhig mit einem kräftigen Aufpreis belegt werden sollen. Sie seien schließlich besonders umweltschädlich.
Dieser Vorschlag wird von der EU-Umwelt-Kommissar Stavros Dimas im Moment stark voran getrieben – im Gespräch sind bis zu 5000€ für prinzipbedingt mehr Kraftstoff verbrauchende große und schwere KFZ. Hierbei muss erwähnt werden, dass die meisten derartigen Fahrzeuge von deutschen Herstellern produziert werden, die in diesem Segment seit Jahrzehnten spezialisiert sind - ähnlich wie die Südeuropäer auf Kleinwagen.
Dabei haben die deutschen Hersteller ihre großen KFZ im Vergleich zu 1990 am meisten im Verbrauch reduziert und tun dies auch im Moment.
Es erhebt sich also die Frage, ob es bei dem Vorschlag – angeblich im Sinne des Klimaschutzes – nicht um versteckte Industriepolitik zuungunsten Deutschlands geht, wo etliche Arbeitsplätze wegfallen könnten?
Klar stimmt das Argument, dass Autos, die viel verbrauchen, schlecht fürs Klima sind, aber müssten fairerweise nicht auch andere Faktoren berücksichtigt werden? Was ist z.B. mit Großfamilien, die zu sechst ein großes Auto benutzen im Vergleich zu einem kinderlosen Paar mit zwei kleinen Autos? Was ist mit einem Sportwagen, der nur im Sommer für wenige Kilometer (und folglich wenig CO2-Ausstoß) bewegt wird? Was mit jemandem der Sprit mit einem Kleinwagen spart, aber Gas und Strom durch ein schlecht isoliertes Haus aus dem Fenster heizt?
Für ein faires System müssten diese Faktoren wie z.B. Fahrleistung, Flugverkehr und der Energieverbrauch im Haushalt pro Bürger sicher eingebunden werden, was aber einen bürokratischen overkill bedeuten würde.
Wie wäre es daher mit einem CO2-Ausstoß-Recht pro Bürger in einer bestimmten Höhe, der seinem Heimatland zugeschrieben wird?
Der Energieverbrauch eines Landes ist einfach zu messen (gesamter Verbrauch von Sprit, Heizöl, Kohle usw. nach CO2-Gehalt addieren) und jedes Land kann selbst entscheiden – natürlich unter gewissen drohenden Sanktionen bei nicht-Erfüllung - wie es die Ziele erreicht. Dann würde der Klimaschutz sicher anders laufen als heute, da der Preis für eine Tonne CO2-Einsparung in der Industrie und bei der Hausdämmung viel niedriger als im Verkehr ist.
Und der Tanktourismus wäre auch bald Geschichte…
Kategorie: Diskussion, Nachhaltigkeit, Aktuelles | add to mister wong












29 Comments Add your own
1. Ulf | Januar 11th, 2008 at 11:26
Tragischer Weise ist der Vorrang von nationalen vor internationalen Interessen seit langem Kennzeichen europäischer Politik. Oft wird versucht, dies durch wie in diesem Bericht beschriebene Winkelzüge zu verschönigen. Das ist in Anbetracht der Tatsache besonders bedauernswert, dass es auf UN Ebene noch wesentlich schwieriger ist konkrete Ziele zu vereinbaren.
Dies sollte uns zu denken geben, gerade weil der indische Automobilkonzern Tata gestern ein Auto vorgestellt hat, dass in der Basisausführung 1700 Euro kosten soll. Indien hat 1,112 Milliarden Einwohner,…..
2. Sophie | Januar 11th, 2008 at 16:29
Man kann Indien aber auch nicht die Chance zur Entwicklung aberkennen. Da Indien nunmal nicht auf dem Stand eines Industrielandes ist, müssen z.B. wir Europäer uns eben noch mehr zurücknehmen, um den Indern die gleichen Chancen zu geben, die wir auch hatten.
Man kann von den Indern ja nicht verlangen, etwas gleich wieder zu reduzieren, was es vorher noch gar nicht gab -> das Volksauto.
3. Jenny | Januar 14th, 2008 at 11:29
Es wir dimmer was von Umweltschutz geredet, aber so richtig unternohmen wird eh nie was. Dieser beitrag ist mal wieder ein Beweis dafür. Es ist wirklich schrecklich zu sehen, wie sehr die Regierung uns versucht zu manipulieren.
4. Sophie | Januar 15th, 2008 at 15:42
Deutschland gehört aber immerhin noch zu den Ländern, die am meisten für’s Klima und den Umweltschutz tuen.
Es gibt da in Europa schon noch sehr viel schlimmere Regierungen, z.B. Italien und der Müll.
Da sind wir hier ja noch richtig gut dran.
5. Erik | Januar 17th, 2008 at 11:29
Man sollte sich mal Fragen warum in anderen Ländern der Umweltschutz nicht so gut funktioniert?
In vielen Ländern können auch einfach nicht die finanziellen Mittel aufbringen um mehr für den Umweltschutz zu tun und besonders die großen CO² Schleuder Firmen pumpen jedes Jahr viel Geld in die Regierungen und haben immernoch sehr großen Einfluss.
6. Sophie | Januar 20th, 2008 at 12:38
Aber Italien hat genug Geld, die Regierung ist nur unfähig sich gegen die Mafia durchzusetzen.
7. Luftgucker | Januar 21st, 2008 at 17:21
Zwar wird sehr viel über den Klimaschutz geredet
und wichtige Vorsätze werden beschlossen,
dennoch wird noch nicht gehandelt.
Ich stelle mir die Frage, wann wir
endlich mal anfangen, das alles in
Angriff zu nehemen.
8. germa | Januar 23rd, 2008 at 08:56
ich kome aus italien und kann sophie nur recht gebem
9. Scarlett | Januar 23rd, 2008 at 10:38
Ich finds nur blödsinnig, wenn wir hier sonstwas tun für den Umweltschutz und sich die anderen Ländern gar nicht drum scheren. Dann ist das was wir hier machen auch alles sinnlos.
10. SAM | Januar 26th, 2008 at 10:39
@ scarlett –>??? dann bitteschön, sollen wir alle umbringen da sowieso auch woanders ist krieg oder sowieso andere werden diebe und kriminell bleiben?
11. Dirk | Februar 4th, 2008 at 11:36
als sinnlos würde ich Umweltschutz nicht ansehen, aber es braucht halt auch viel Zeit, bis das Thema in aller Munde ist..
12. My Freebies | Februar 7th, 2008 at 18:27
Die erkenntnis das die welt was machen muß ist ja schon mal der Anfang. Doch wir müssen noch viel mehr tun.
13. Michael | Februar 14th, 2008 at 09:51
Wir haben doch noch nicht mal richtig angefangen was zu tun! Auch wenn Deutschland gut da steht, allein der Auto Boom in China und Indien wird die Katastrophe weiter verschlimmern.
14. Helmut | Februar 15th, 2008 at 08:03
Europa hat einen gute Vorreiterrolle übernommen, aber trotzdem wird noch nicht ansatzweise soviel getan wie nötig ist um den Klimawandel und die Verschmutzung seit den frühen 90er Jahren wieder rückgängig zu machen.
15. Victor | Februar 22nd, 2008 at 18:29
Rückgängig machen lässt sich wahrscheinlich nicht viel. Wir können nur versuchen, die Verschmutzung zu reduzieren.
16. Celso | März 1st, 2008 at 09:51
Alle warnen vor der Klimaerwärmung, doch keiner tut wirklch etwas dagegen
17. Celso | März 1st, 2008 at 10:28
Klimaschutz muss sowieso an der Tagesordung stehen, das is wichtig
18. Timo | März 1st, 2008 at 14:29
Was in Italien die Mafia, ist in Deutschland die Automobilindustrie
Ich denke übrigens, wenn man versucht, den Klimaschutz 100% fair gegenüber jedem Land und jeder Interessensgruppe zu machen, wird man ihn nie machen…
19. coco | März 12th, 2008 at 12:37
Interesante Artikel, bin leider schon im Osterstress, da sich Familie aus dem Ausland angekündigt hat. Melde mich nach Ostern zum schreiben, bis dahin frohes Osterfest!!!!
20. SPAM | März 18th, 2008 at 11:48
Durch die zunehmende Industrialisierung der Entwicklungsländer wird es unmöglich gemacht dieses Problem in den Griff zu bekommen. Was nützt es, wenn die reichen Industriestaaten hier den Vorreiter machen, wenn es anderswo um existenzielle Probleme geht. Das Thema ist nun einmal global zu sehen.
21. Fatboy | März 20th, 2008 at 09:03
Habe neulich einen Artikel über Kalifornien gelesen. Die sind richtig stark dabei, was den Klimaschutz betrifft, auch wenn Arni da auf taube ohren stößt, was das restliche Amerika betrifft. Aber wenn einer erst mal den anfang macht, ziehen die anderen vielleicht doch nach.
22. Tony | März 20th, 2008 at 13:02
ich finde die überschrift sehr gut gewählt “mal wieder falsch verstanden”…
mir kommt es so vor als würde der begriff klimaschutz stets falsch verstanden.
23. Webmaster Autoexperience | März 23rd, 2008 at 22:56
Da viele im HierundJetzt leben, machen Sie sich keine Gedanken um den Klimaschutz. Man sollte auch an die Kinder der Kinder denken und alle kommenden Generationen!
24. Dara Weishaupt | März 26th, 2008 at 08:40
Das finde ich immer ganz prima: “Deutschland macht ganz viel für…” Tja ist ja auch ganz TOLL! Und wenn mann Deutschland auf der Weltkarte so anschaut, wird einem gleich klar wie bedeutent das für die Wlt ist!
25. Jochen | März 26th, 2008 at 19:09
Wenn man das ganze mal global betrachtet, hat man überhaupt keine Chance die Umwelt zu verbessern, weil eh nie jedes Land an einen Strang ziehen. Noch nicht einmal die Mehrzahl aller Länder.
26. Tony | März 28th, 2008 at 09:48
klimaschutz ist sehr wichtig und darf einfach nicht vernachlässigt werden. aber manchmal fällt es einem echt schwer gewisse maßnahmen nachzu vollziehen wo doch das geld in anderen projekten oft sinnvoller investiert wäre
27. Kai | April 5th, 2008 at 14:14
Das Neueste ist ja das mit den neuen klimaschonenden Taxen in New York. Hat das wer gesehen? Tolle Sache wie ich finde, da gerade dort viele Autos und besonders Taxen rumfahren wird es sicherlich was bringen.
28. Digitalisieren | April 6th, 2008 at 08:56
Klimaschutz fängt bei jedem einzelnen an. Nur so kann nach und nach etwas passieren. Klar, dass das ein Prozess ist, der sich hinzieht. Vielleicht über Jahrzente, da ist es wichtig das immer anzusprechen, damit es die Leute auch nicht vergessen. Sowie auch Kinder. Die sollten schon sehr früh damit konfrontiert werden. Denn für die machen wir das ja schließlich auch.
29. Jacques | April 9th, 2008 at 08:18
Als einzelner kann man nicht viel zum Klimaschutz beitragen. Man kann auf viele Sachen achten, aber viel zu viel kümmern sich halt nicht darum. Und wenn dann noch ein paar Firmen kommen, die nur Gewinn machen wollen um jeden Preis (was bei den meisten Firmen der Fall ist), ist es mit dem Klimasxhutz gans vorbei.
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