Im Osten geht (hoffentlich) die Sonne auf

Juli 19th, 2008

Was man aus der Volksrepublik China hört ist aus Sicht eines Mitteleuropäers meist nichts Gutes - Ein Staat der Wachstumsraten erzielt, von denen die Industriestaaten nur träumen können. 10,7 % Wirtschaftswachstum fallen aber leider nicht vom Himmel, sondern müssen teuer “erkauft” werden. Umweltauflagen für Firmen gibt es nicht, konsequenterweise hat China aus Angst um seine Wirtschaft nicht das Kyoto-Protokoll unterzeichnet. Ein staatliches Gesundheitswesen ist ebenso wenig zu erkennen, wie eine effektive Bekämpfung der Korruption. Das schlimmste an diesen Fakten ist aber, dass nur eine schmale Oberschicht von diesen inaktzetablen Zuständen profitiert, während der Großteil der Bevölkerung (~800 Mio Menschen), insbesondere die Landbevölkerung, nichts von dem großen Kuchen abbekommt, den es zu verteilen gilt.Im Gegenteil, Menschenrechte werden mit Füßen getreten, wenn beispielsweise für den Bau einer neuen Fabrik oder eines Staudammes (wir haben alle den Yangtsekiang-Staudamm vor Augen) die Landbevölkerung mit lächerlichen Entschädigungen umgesiedelt wird. In China ist die Kluft zwischen Arm und Reich in den letzten Jahren extrem geworden.

In der Bevölkerung rumort es aber, denn langsam ist ein kritischer Punkt erreicht, ab dem sich Kleinbauern nicht mehr von Peking bevormunden, oder schikanieren lassen wollen. Deutlich wird dies beispielweise an den Unruhen in der Hunan Provinz, in der kürzlich 20000 Bürger auf die Straße gingen, um gegen die Erhöhung der Kosten für den Nahverkehr zu protestieren. Auch wenn es für uns wohlstandsverwöhnte Europäer lächerlich erscheint, aber für Menschen mit einem durchschnittlichen Einkommen von umgerechnet 460$ ist eine Fahrpreiserhöhung um $1.41 eine Existenzbedrohung.


Um diesen Entwicklungen entgegen zu steuern, hat sich jetzt der Nationalkongress mit der Armutsproblematik befasst. Die Ausgaben für die Unterstützung ländlicher Gebiete werden um 15% auf 50 Mrd U$ erhöht, die Schulgebühren werden bis zur 9. Klasse abgeschafft und das Gesundheitsbudget wird um 87% auf 4 Mrd$ aufgestockt. Darüber hinaus wurden die Steuern auf landwirtschaftliche Erzeugnisse abgeschafft und es soll ein Minikreditprogramm für Kleinunternehmer ins Leben gerufen werden. Auch wenn diese kleinen Schritte nur einen kleinen Teil zur Lösung der angesprochenen Probleme beitragen, so muss man doch positiv bewerten, dass ein langsamer, zögerlicher Prozess des Umdenkens in der Volksrepublik einsetzt.

Die chinesische Führung tut dies keinesfalls aus reiner Menschenliebe, sondern diese Maßnahmen dienen letztendlich ihrem Machterhalt. 24 Mio Arbeitslose und eine extreme Landflucht (200 Mio Menschen sind in den letzten 15 Jahren vom Land in die Stadt gezogen) zwingen die chinesischen Machthaber zu diesen Schritten. Am Beispiel China wird deutlich, dass der pure Kapitalismus viele negative Auswirkungen auf die Gesellschaft und nicht zuletzt auch auf die Umwelt hat. Für China ist die Kluft zwischen Arm und Reich ein nationales Problem, das deren nationale Sicherheit und Stabilität in hohem Maße gefährdet. Die Welt hat im Grunde genau das gleiche Problem, allerdings sehen die nationalen Machthaber noch nicht die Konsequenzen, die die Fortführung des bisherigen globalen Wirtschaftssystem hat. Der Prozess des Umdenkens ist in Anbetracht der globalen Herausforderungen unbedingt notwendig und er kann nur durch öffentliches Interesse und öffentlichen Druck eingeleitet werden.

Es liegt also auch an uns…

25 Comments Add your own

  • 1. Uippo  |  Juli 20th, 2008 at 20:16

    Hast du vollkorm recht. ich hoffe, das ist nur der Anfang, vielleicht nicht ganz ehrlich aber mit der zeit doch wird sich alles ändern

  • 2. Dara Weishaupt  |  Juli 26th, 2008 at 14:51

    Es ist immer schwierig von solch einer Position aus, wie Deutschland sie schon lange inne hat über China zu urteilen! Leider ist vieles wahr, dennoch müssen wir uns an die eigene Nase fassen und differenzieren.

  • 3. Matthias  |  Juli 27th, 2008 at 15:03

    leider ist china sehr stur…wirtschaftlich mag es ja ein super land sein und für karrieremenschen eine super gegend…leider wird der großteil der bevölkerung so getreten…es ist wirklich traurig für ein eigentlich großes land…

  • 4. Arthur  |  August 1st, 2008 at 12:14

    Ja das stimmt wohl. Das meisten ist auch die Wahrheit.

  • 5. Sandra  |  August 2nd, 2008 at 06:19

    Stimmt, das gleiche Problem haben wir in Deutschland doch auch. Wenn auch nicht so extrem. Aber was wirklich unterschiedlich ist, ist der Aspekt der Menschenrechte. Dort ist es ja richtig extrem mit der Kontrolle. Da sollte doch zuerst mal angeknüpft werden.

  • 6. Andrea  |  August 2nd, 2008 at 11:11

    Ein derartiges Riesenland von einem relativ armen Status zu einem der fuhrenden Industrieländer der Welt zu machen ist mit sicher enormen Problemen verbunden. Da wird noch viel passieren und ob es uns ansteht da Kritik zu üben ist natürlich fraglich.

  • 7. Sue  |  August 9th, 2008 at 15:01

    Tja, ich schätze ehrlich gesagt nicht, dass dies wirklich der Anfang sein wird.
    Denn es gab meiner Meinung nach schon zu viele Anfänge und immer wieder wurde man enttäuscht-vor allem aber die dortige Bevölkerung. Ich denke nicht, dass es jetzt ein Aufatmen geben wird.

  • 8. simon  |  August 10th, 2008 at 20:35

    Das wird schon werden und soll es auch, denn erst wenn hier der Aufschwung angekommen ist, geht es bei uns auch erst wieder Berg auf.

  • 9. mia  |  August 14th, 2008 at 01:36

    Finde es schade das alle andern Ländern Chinas verhalten dulden bischen dudu und weiter machen dürfen sie sei es beschneidung der Menschen recht an sich oer der Jornalistischen freiheit aber im endefeckt intressiert sich niemand gross für.

  • 10. Ron  |  August 18th, 2008 at 17:15

    “Am Beispiel China wird deutlich, dass der pure Kapitalismus viele negative Auswirkungen auf die Gesellschaft und nicht zuletzt auch auf die Umwelt hat”

    Tja, und wie sieht es nach 10 Tagen olympischer Spiele in Peking aus: Zelebrierung des Kapitalismus, das IOC, Hüter der Spiele von Frieden und Freundschaft, immer vorne weg. Kritik an den herrschenden Umständen? Aber nicht doch, dass ist doch Spielverderberei, es geht doch “um den Sport”. Gruselig, das Ganze.

  • 11. Bern  |  August 22nd, 2008 at 10:12

    China ist eben im Aufbruch und da wird noch einiges auf uns alle zukommen. Schlimm finde ich dass (zumindest nach dem Eindruck den man aus Europa da bekommt) China auf ziemlich harten und puren Kapitalismus setzt. Und das dies nicht gerade die besten Auswirkungen hat merkt man ja in Europa schon genug.

  • 12. Kunst des Lebens  |  August 25th, 2008 at 08:46

    China bringt ja schon immer Beispiele in den verschiedensten Richtungen - ob gut oder schlecht. Die Machthabenden sind wie immer ein wenig “überzogen” - jedoch empfinde ich den Chinesen mit seinem noch vorn strebenden wirtschaftlichen Denken doch sehr interessant - gerade auch für mich. Denke, der Prozess zur Demokratie wird zwar noch lange auf sich warten lassen , aber kommen.

    Viele Grüsse

  • 13. Bernd  |  August 25th, 2008 at 10:50

    Die Olympiade lenkt natürlich alle Blicke auf China und da di Menschenrechte wirklich nicht ele optimel zu bezeichnen sind ist eine gewisse Kritik natürlich angebracht.
    Aber ich finde, dass diese pauschele Verdammung nicht angebracht ist. Natürlich versucht China die Spiele und das drumherum möglichts positiv zu vermarkten. Na und? das würde jedes andere Land genauso machen und mindestens mit genauso viel professionellem Einsatz.
    Die Auswirkungen des Kapitalismus werden auch angeprangert. Ja - da passiert viel Unangenehmes wenn ein deratiges Riesenland plötzlich ebenfalls in die erste Liga vorstoßen will. Aber was ist mit der extrem kapitalistischen Haltung des Westes?
    Irgendwie hab ich das Gefühl, da wird mit viel Empörung und Trara all das angeprangert was Europa und USA die letzen Jahrzehnte genauso gemacht und “verbrochen” haben.
    Ich will all das was in China passiert in keiner Weise entschuldigen oder gutheißen - aber ich fürchte sehr dass wir halt selber im Glashaus sitzen.

  • 14. Gretus  |  August 29th, 2008 at 21:21

    Hallo,

    schöner Beitrag. Ich habe hier ein passendes Video, bringt das Ganze noch mal auf den Punkt: http://www.staytubed.de/archiv_20080815.html

    Grüße

    Gretus

  • 15. Bruno  |  August 30th, 2008 at 09:27

    Aber insgesamt muss ich doch sagen, dass ich von den Spielen sehr überrascht war. Hat alles prima geklappt!

  • 16. Christine  |  September 4th, 2008 at 11:31

    Kaum zu glauben, dass ein Land mit einem solchen Wirtschaftswachstum und vielen technischen Innovationen in Sachen Menschenrechten noch so viel zu lernen hat.

  • 17. tilo  |  September 12th, 2008 at 18:11

    hallo, bin grad auf euer interessantes weblog gestoßen, wieso steht da so wenig? aber super beiträge! vielleicht wollt ihr mal einen blick auf http://unsdiewelt.com werfen, das ist das neue weblog von klaus werner (schwarzbuch markenfirmen) über das jugendbuch “uns gehört die welt”, wo’s um globalisierung und so geht…
    lg tilo

  • 18. spammer  |  September 28th, 2008 at 08:14

    In unserem Zeitalter wird die Kluft zwischen ARM und REICH immer größer nicht nur in China sondern weltweit. Das ist ein Zahn der ZEIT leider! Klar ist es einfach andere Länder zu kritisieren wir sollten jedoch auch bei uns mal näher hinscheuen wo die Armut lebt.

  • 19. Andy  |  September 29th, 2008 at 15:47

    Ja in die Spiele wurde einiges an Kapital reingesteckt, aber wer weiss wann in diesem Land auch ein wenig Demokratie seinen Platz finden.

  • 20. Manuel  |  Oktober 18th, 2008 at 15:06

    ich denke seitens der medien wird viel übertrieben und falsch dargestellt..

  • 21. Marco  |  Oktober 22nd, 2008 at 16:35

    Gehe ich auch teilweise von aus besonders das es ja auch Zensur seitens der Chinesen gab.

  • 22. Martin  |  Oktober 28th, 2008 at 13:28

    Ich finde es gut, das sich jetzt was tut in China. Da die letzten Jahrzehnte nicht über China gesprochen wurden oder durfte, wussten die meisten Europäer gar nicht viel von China. Dank der Olympiade ist ein kleiner Schritt in eine bessere Zukunft für China bzw. für die Bevölkerung getan.

  • 23. Patrick  |  Oktober 28th, 2008 at 22:39

    Ich denke auch dass man definitiv nicht alles glauben kann, aber China hat schon enormes potzenial. Aber trotz des Wirtschaftswachstumes geht es denen auch nicht besser…

  • 24. Anke  |  Oktober 29th, 2008 at 16:14

    Ja, ich muss auch sagen, sowas erschreckt einen immer wieder zu lesen. Aber es ist gut, dass ihr hier in eurem Blog das Ganze mal kritisch betrachtet und öffentlich zur Diskussion stellt. Vielleicht könnte man ja noch einiges mehr bewegen in China, wenn sich auch die Europäer, also wir selbst, einmal etwas näher mit der ganzen Thematik auseinander setzen würden.
    Sicher ist es gut, dass ein Anfang mit Gesundheitsbudget usw. gemacht wurde, aber ich denke, das reicht noch nicht aus und man sollte weltweit für die Einführung einer funktionierenden Demokratie auch in China kämpfen.

  • 25. Yoga München  |  November 19th, 2008 at 03:45

    China ist das Land der Mitte und der Zukunft! :)

Leave a Comment

Required

Required, hidden

Some HTML allowed:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <code> <em> <i> <strike> <strong>

Trackback this post  |  Subscribe to the comments via RSS Feed


Themenrelevant

Aktuelle Diskussionen

Kalendar

Juli 2008
M D M D F S S
« Mrz    
 123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
28293031  

Neuste Artikel