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Gammelfleischparty - das Jugendwort des Jahres 2008

Das Jugendwort des Jahres 2008 steht fest: “Gammelfleischparty” als provokant freche und bildhafte Übersetzung der Ü-30-Parties fand den eindeutigen Zuspruch einer neunköpfigen Jury. Die “Gammelfleischparty”, eine Party für Menschen ü(ber) 30 Jahre, platzierte sich klar vor den Begriffen “Bildschirmbräune” für die Blässe eines Computerfreaks (2. Platz), “unterhopft sein” für den Tatbestand noch nicht betrunken genug zu sein und Lust auf Bier zu haben (3. Platz).

40 comments Dezember 12th, 2008

Geld sparen durch Klimaschutz!

Während vor 30 Jahren Umweltschutz gemeinhin als Spinnerei von Alternativen abgetan wurde, ist Nachhaltigkeit heute in aller Munde. Insbesondere die Europäer scheinen die Zeichen der Zeit verstanden zu haben und tun sich beim Umweltschutz besonders positiv hervor, auch wenn es bei der realpolitischen Umsetzung noch gelegentlich hakt.

Andere Länder wie zum Beispiel die Vereinigten Staaten von Amerika verweigern sich nach wie vor der Ratifizierung von Klimaabkommen, oder anderen Umweltschutzmaßnahmen. Im Gegenteil, unter der Regierung Bush wurde unter anderem sogar das Ölbohren in Nationalparks in Alaska gezielt gefördert. Die Argumentation der Amerikaner ist immer die gleiche: Sie können es nicht verantworten ihre Wirtschaft durch Umweltschutz zu gefährden.

Abgesehen davon, dass, wie es die derzeitige Finanzkrise es in den USA zur Zeit offenbart, die Amerikaner noch nicht einmal ihre nationale Wirtschaft im Griff haben, ist ihre Argumentation schlicht falsch. Das behauptet zumindest Robert Repetto, ein Wirtschaftswissenschaftler der Universität Yale. Er kommt zu dem Schluss, dass selbst unter ungünstigsten Annahmen das amerikanische Bruttosozialprodukt bei wirksamen Klimaschutzmaßnahmen um nicht weniger als 2,5 Prozent wachsen würde. Zu diesem Ergebnis kam er nach Berechnung der 25 bekanntesten Wirtschaftssimulationen. Wie sich klimafreundliche Maßnahmen auf das Wirtschaftssystem auswirken, kann man selbst durch ein interaktives Tool auf deren Homepage www.climate.yale.edu/seeforyourself berechnen und dabei unterschiedliche Grundannahmen selbst treffen.

Diese Simulationen zeigen einen Aspekt des Klimaschutzes, der bisher stark vernachlässigt wurde. Jede Tonne CO2, die in die Luft geblasen wird kostet Energie und damit Geld. Durch die effizientere Nutzung von Energiequellen kann folglich nicht nur das Klima geschützt, sondern auch Geld gespart werden. Ein Argument, dass sich jeder, insbesondere die großen Industrienationen, durch den Kopf gehen lassen sollte.

72 comments März 25th, 2008

Klimaschutz: mal wieder falsch verstanden?

An sich könnte man meinen, hier in Europa sei - wenn schon nicht das Weltklima - so doch wenigsten die (Klima-)Welt endlich in Ordnung: Europas Bürger und Politiker scheinen geeint in dem Wunsch nach mehr aktiver Klimapolitik und sehen in CO2 ihren gemeinsamen Feind. Auf den internationalen Klimakonferenzen fordern die Europäer strenge Ziele, die sie daheim schon per Vertrag fixiert haben: 20% weniger CO2 bis 2020!

Doch wenn man genauer hinsieht fällt auf, dass die meisten Länder noch keine konkreten Maßnahmen beschlossen haben, mit denen sie die Ziele erreichen wollen.

Deutschland tut sich hierbei sehr positiv hervor und hat ein Paket zur Energieeffizienz bei Gebäuden verabschiedet, das seine Wirkung sicher nicht verfehlt – v.a. wenn man bedenkt dass private Haushalte nach der Industrie die größten Energieverbraucher sind.

Anstatt dass andere (v.a. süd- und osteuropäische) Regierungen diesem positiven Beispiel folgen, haben sie sich nun auf den dritten und prozentual im Energieverbrauch weit hinter Haushalten und Industrie liegenden Bereich des Verkehrs eingeschossen.

Die Vermutung liegt nahe, dass sie dies tun um einerseits nicht als untätig zu gelten, anderseits aber um ihren Ländern tiefgreifende Veränderungen zu ersparen, die sich durch eigene Gesetze für Haushalte und Industrie ergäben.

Da ist es wohl einfacher die PKW-Industrie in die Pflicht zu nehmen. Besonders Italien und Frankreich, deren PKW-Hersteller seit Jahrzehnten v.a. kleine und somit relativ sparsame Automobile bauen, unterstützen dieses Verhalten und argumentieren, dass große Automobile ruhig mit einem kräftigen Aufpreis belegt werden sollen. Sie seien schließlich besonders umweltschädlich.

Dieser Vorschlag wird von der EU-Umwelt-Kommissar Stavros Dimas im Moment stark voran getrieben – im Gespräch sind bis zu 5000€ für prinzipbedingt mehr Kraftstoff verbrauchende große und schwere KFZ. Hierbei muss erwähnt werden, dass die meisten derartigen Fahrzeuge von deutschen Herstellern produziert werden, die in diesem Segment seit Jahrzehnten spezialisiert sind - ähnlich wie die Südeuropäer auf Kleinwagen.

Dabei haben die deutschen Hersteller ihre großen KFZ im Vergleich zu 1990 am meisten im Verbrauch reduziert und tun dies auch im Moment.

Es erhebt sich also die Frage, ob es bei dem Vorschlag – angeblich im Sinne des Klimaschutzes – nicht um versteckte Industriepolitik zuungunsten Deutschlands geht, wo etliche Arbeitsplätze wegfallen könnten?

Klar stimmt das Argument, dass Autos, die viel verbrauchen, schlecht fürs Klima sind, aber müssten fairerweise nicht auch andere Faktoren berücksichtigt werden? Was ist z.B. mit Großfamilien, die zu sechst ein großes Auto benutzen im Vergleich zu einem kinderlosen Paar mit zwei kleinen Autos? Was ist mit einem Sportwagen, der nur im Sommer für wenige Kilometer (und folglich wenig CO2-Ausstoß) bewegt wird? Was mit jemandem der Sprit mit einem Kleinwagen spart, aber Gas und Strom durch ein schlecht isoliertes Haus aus dem Fenster heizt?

Für ein faires System müssten diese Faktoren wie z.B. Fahrleistung, Flugverkehr und der Energieverbrauch im Haushalt pro Bürger sicher eingebunden werden, was aber einen bürokratischen overkill bedeuten würde.

Wie wäre es daher mit einem CO2-Ausstoß-Recht pro Bürger in einer bestimmten Höhe, der seinem Heimatland zugeschrieben wird?

Der Energieverbrauch eines Landes ist einfach zu messen (gesamter Verbrauch von Sprit, Heizöl, Kohle usw. nach CO2-Gehalt addieren) und jedes Land kann selbst entscheiden – natürlich unter gewissen drohenden Sanktionen bei nicht-Erfüllung - wie es die Ziele erreicht. Dann würde der Klimaschutz sicher anders laufen als heute, da der Preis für eine Tonne CO2-Einsparung in der Industrie und bei der Hausdämmung viel niedriger als im Verkehr ist.

Und der Tanktourismus wäre auch bald Geschichte…

40 comments Januar 10th, 2008

Google macht das Licht aus

Bei einer Klimaschutzaktion, die unter Anderem von BILD, Greenpeace, ProSieben oder auch dem WWF unterstützt wird, sollen alle Deutschen heute, am 08. Dezember, für 5 Minuten (von 20 Uhr bis 20:05 Uhr) das Licht auslassen, um ein Zeichen an den zeitgleich stattfindenden Weltklimagipfel auf Bali zu senden, sich konsequent für bessere Klimaschutzmaßnahmen einzusetzen. Hier die Website zur Aktion.

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Auch Google macht das Licht aus zur bundesweiten Klimaaktion am heutigen 8. Dezember !

40 comments Dezember 8th, 2007

Biosprit - Eine umwelt- und sozialverträgliche Alternative?

Wer Öl besitzt hat Macht! Öl ist mittlerweile zum wichtigsten Rohstoff geworden und die natürlichen Reserven sind begrenzt. Öl wird daher immer teurer und wenn in den Entwicklungsstaaten wie China oder Indien ein Teil des Wohlstands für die Bevölkerung abfallen wird, ist das Chaos vorprogrammiert. Kriege, die heute im Irak und in Afrika um Öl geführt werden, sind nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns in der Zukunft noch in Sachen Ressourcenkriege bevorsteht, wenn wir es nicht schaffen uns vom Öl unabhängig zu machen.

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Was tun? Hybridautos brauchen auch Benzin und sind momentan noch zu teuer. Alternative Antriebssysteme wie die Brennstoffzelle sind noch 15 bis 20 Jahre von der Marktreife entfernt. Eine Alternative, die insbesondere der brasilianische Staatschef Luiz Lula da Silva und auch der amerikanische Präsident Bush auf dem G-8 Gipfel propagierten ist, auf Ethanol umzusteigen.

Die Vorteile von Ethanol liegen auf der Hand. Ethanol ist im Grunde Alkohol und kann aus Zuckerrohr hergestellt werden, es ist somit ein regenerativer Rohstoff. Darüber hinaus entsteht bei der Verbrennung von Ethanol weniger CO2, als bei der Verbrennung von normalem Benzin bzw. Diesel und kein Kohlenstoffmonoxid. Das klingt alles soweit ganz verlockend und spätestens der letzte wird hellhörig, wenn er erfährt, dass in Brasilien der Liter Biosprit ca. 65 Cent kostet und die meisten dort ausgelieferten Neuwagen dank flexibler Motoren mit Benzin, Ethanol oder einem Mix fahren können.

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Der Haken an der ganzen Sache ist, dass das Ethanol nur deswegen so billig ist, weil das Zuckerrohr unter menschenunwürdigen Bedingungen geerntet und weiterverarbeitet wird. Ein Arbeiter erhält pro geerntete Tonne (!) Zuckerrohr umgerechnet ca. 90 Cent und schafft am Tag 10 bis 20 Tonnen, muss aber dann noch fürchten, bei der Abrechnung übers Ohr gehauen zu werden, weil die meisten von den Arbeitern weder lesen noch schreiben, oder rechnen können. Die Zuckerrohrfelder werden, bevor sie abgeerntet werden, angezündet, um Kleintiere wie Schlangen, Käfer, Spinnen und Skorpione zu vertreiben. Dabei wird nicht nur die Umwelt belastet, sondern die Arbeiter schädigen ihre Gesundheit durch den bei den Bränden erzeugten Feinstaub. Die Arbeit findet ausschließlich bei Tage statt, es herrschen Temperaturen über 30 Grad. Die meisten Menschen haben keine andere Wahl, als die Arbeitsbedingungen zu akzeptieren, sie haben meist keine Schulbildung und es stehen viele bereit, die ihren Arbeitsplatz einnehmen würden. Gewerkschaften auf dem Land sind sehr schwach und können nichts gegen die Großgrundbesitzer ausrichten.

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Diejenigen, die von dieser modernen Form der Sklaverei profitieren, sind die die das Land besitzen. (Die SZ nennt eine Familie, der mehr als 16000 Hektar Land besitzt). Die Arbeits- und Betriebskosten sind gering, die Nachfrage riesig und der gezahlte Preis ist daher hoch. Momentan werden allein in Brasilien auf 6,5 Millionen Hektar mit Zuckerrohr angebaut, bis 2012 sollen es mindestens 8 Millionen Hektar sein!

Die genannten Zahlen und Arbeitsbedingungen machen stutzig und verdeutlichen, dass eine Änderung nötiger ist denn je. Brasilien hat keinen Grund seine Sozialstandards zu erhöhen, solange von außen (insbesondere von den USA) das Ethanol gekauft wird. Europa sollte sich Gedanken machen, ob es tatsächlich gewillt ist, in Zukunft auf Treibstoff zurückzugreifen, der unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert wird. Globale, verbindliche Sozialstandards, wie vom Global Marshall Plan gefordert, sind eine Möglichkeit, Menschen zu einem menschenwürdigen Dasein zu verhelfen und dabei trotzdem Treibstoffproblem zu lösen. Darüber hinaus wäre jeder Europäer bei Benzinpreisen um 1,35 € gerne dazu bereit, für den Liter Ethanol 80 Cent (statt 65 Cent) zu bezahlen, wenn er sicher wäre, dass kein Mensch in Brasilien für seinen Geiz sterben muss. Ethanol ist also eine Möglichkeit, die Abhängigkeit vom Öl zu reduzieren, aber die Erzeugung sollte aber nicht wie zu Zeit der Feudalherren und Sklaven vor 200 Jahren ablaufen.

[für Zahlen und Beispiele sei der SZ vom 13. Juni gedankt]

33 comments August 12th, 2007

Stoppt den Umwelschutz! Das Erdklima ist doch gerettet, oder?

Bis vor kurzem wusste keiner so genau, warum all die Klimadebatten so nach und nach aus den Medien verschwunden sind. Es schien so, als hätten wir überhaupt kein Problem mehr und als wäre der dritte UN-Klimabericht, der erst vor ca. 2 Monaten erschien und in dem sogar ein möglicher durchschnittlicher Temperaturanstieg von 6 Grad bis zum Jahre 2100 prognostiziert wurde, nie existent gewesen.
Das stellt sich die Frage, warum ist das so? Und ein Grund der unserer Redaktion von einer zuverlässigen Quelle mitgeteilt wurde ist der, dass man nun hat endlich die Lösung schlechthin glaubte gefunden zu haben.
Und zwar eine solche, bei der man den Temperaturanstieg verhindern kann, ohne die wirtschaftswachstumsfördernden Co2 Emissionen einzusparen zu müssen.
Einfach munter weiter und richtig dolle Schmutz machen, denn das Heilmittel scheint, bzw. schien gefunden zu sein.
Die hitzigen Diskussionen und Umweltfürsprecher wurden also schleichend langsam aus der Öffentlichkeit verbannt, da nicht weiter Staub aufgewirbelt werden sollte, den man bald mit einer neuartigen Technologie aufsaugen wollte.
Eine mögliche Lösung, die bis vor Kurzem wirklich ernsthaft im Gespräch war, war nämlich die, dass das Treibhausgas an seiner Quelle, nämlich in den Kohlekraftwerken z.B., verflüssigt und per Pipeline zu unterirdischen Lagerstätten gepumpt werden sollte. Um die Machbarkeit der Idee zu untersuchen bohrten Forscher im brandenburgischen Ketzin
ein 800 Meter tiefes Loch, das in eine Lagerstätte aus porösen Sandstein führte. Zurzeit werden da immer noch täglich 100 Tonnen Co2 runtergepumpt und ein natürlicher Deckel aus Ton und Gips soll -so hofft man- das Gas für Jahrmillionen daran hindern auszuströmen. Vor geraumer Zeit ist jedoch durchgesickert (-:, dass ähnliche Tests, die ja im Grunde nichts anderes tun als ein weiteres Element zu verseuchen, in Texas dazu geführt haben, dass das Gas zusammen mit Salzlake in den Poren des Sandsteines Kohlensäure bildete, die die Bohrlöcher und sogar den Felsdeckel des Reservoirs angriff. Dadurch haben sich in der Erde tiefe Risse gebildet, aus denen das Treibhausgas wieder entweichen konnte. Schöne Bescherung. Wird es wohl doch, spätestens nach dem Artikel hier, wieder Klimadebatten geben.
Bevor ich meinen Dreck in den Boden pumpe, der dann wieder hochsteigt, pflanz ich persönlich auf jeden Fall lieber einen Baum.
Der hilft wirklich!

8 comments August 7th, 2007

Go Home, G8-Gipfel - 3 Gründe für eine Abschaffung

Drei Gründe, weshalb das Gipfeltreffen in seiner aktuellen Form abgeschafft werden muss.
Der erste Grund heißt „Rostock“. G8 und ähnliche Mega-Events üben eine magische Anziehungskraft auf Polit-Kriminelle wie den „Schwarzen Block“ aus – genauso wie für die geladenen Teilnehmer, die friedlichen Demonstranten und die Medien. Nicht die Agenda ist der Aufmarschgrund, sondern die Aufmerksamkeit, das knappste politische Gut überhaupt. Wo sonst kann man sich besser in Szene setzen, weltweit und in Echtzeit? Doch geht das Problem noch tiefer als gebrochene Knochen und Sachbeschädigung en masse. Denn produziert wird die falsche Aufmerksamkeit.

Wieso das? Wenn ein zwölf Kilometer langer Zaun, der hier als pars pro toto für den gewaltigen Sicherheitsaufwand steht, wochenlang die Medien mehr fasziniert als die eigentliche Arbeit des Konklaves – Steuerung der Globalisierung, Klima, Umverteilung zwischen Erster und Dritter Welt – dann verlieren Veranstaltungen wie G8 Sinn und Funktion. Die Vorstellung, das schiere Polit-Theater, drängt in den Vordergrund und verstellt den Blick auf die zentrale Aufgabe eines solchen Gipfeltreffens. Der Lärm diesseits der Bühne erstickt, was die Akteure – die Staats- und Regierungschefs – zu sagen haben oder sagen sollten.

Doch machen wir uns nichts vor: An dieser Inszenierung beteiligen sich nicht nur Autonome und Kapuzenmänner, die ihre klammheimliche Freude daran haben, die ernsthaften und idealistischen Demonstranten zu diskreditieren, indem sie aus ihrer Mitte heraus (übrigens mit hoher taktischer Brillanz, von der die Polizei noch einiges lernen könnte) Gewalt und Chaos säen. Auch für Merkel, Bush und Kollegen ist das Medium die Message – und das ist der zweite Grund, weshalb dieser Aufmarsch der Tausende künftig abgesagt werden sollte.

Denn auf der G8-Bühne, im Brennpunkt globalisierter Aufmerksamkeit, entsteht ein unwiderstehlicher Sog, die anderen Akteure an die Wand zu spielen, ihnen die Show zu stehlen. Auch hier verdrängt das Theater die Thematik. Das Bush-Merkel-Duell im Proszenium ist ein perfektes Beispiel. Die diesjährige Intendantin der G8, die deutsche Kanzlerin, wollte diesen Weltwirtschaftsgipfel zu ihrer Show machen, die anderen auf ambitionierte Klimaziele festnageln.

Doch da sprang George W. Bush wie ein deus ex Machina auf die Bühne. „Bush In U-Turn on Global Warming“ titelte dazu die Financial Times. Und in der Tat: Zum ersten Mal seit seinem Amtsantritt, dem alsogleich die amerikanische Ablehnung des Kyoto-Protokolls folgte, vollzog Bush die Wende um 180 Grad. Nun steht Bush plötzlich für die weltweite Verringerung des CO2-Ausstoßes.

Eigentlich ein atemberaubender Wandel, den wir uns immer gewünscht haben, nicht wahr? Doch unter dem Diktat der Dramaturgie, die sich Angela Merkel ausgedacht hatte, wurde die Saulus-Paulus-Nummer nachgerade zum Casus Belli. „Merkel gegen US-Führungsrolle beim Klimaschutz“ titelte der Berliner Tagesspiegel, „Merkel notfalls zum Streit mit Bush bereit“ die Süddeutsche Zeitung.

So trat das Drama des Duells in den Vordergrund, und wieder auf Kosten der Sache. Stellen wir uns vor, die Akteure stünden nicht auf der Bühne von Heiligendamm, mit Abermillionen von Zuschauern rings um die Welt. Stellen wir uns vor, es wäre nicht G8 unter der Regie Berlins. Dann wäre die Frage nicht gewesen „Wer stiehlt wem die Show?“, sondern: „Wie machen wir uns, die großen Industrienationen, die Umkehr der Amerikaner zunutze?“

Statt zu schmollen und zu grollen, hätte Frau Merkel diese wundersame Wandlung in ruhigeren Zeiten zum eigenen Erfolg stilisieren können: „Seht her, wie es mir gelungen ist, Bush zu überzeugen.“ Und: „Ich schlage vor, dass sich unsere Emissäre gleich auf der Arbeitsebene an einem verschwiegenen Ort zusammensetzen, um Nägel mit Köpfen zu machen.“ Stattdessen gerieten in der aufgeheizten Atmosphäre der Coup des Präsidenten und das Machtspiel der Mitspieler zur eigentlichen Aufführung. Statt auszuloten, ob Bush es ernst meint, übernahm das gekränkte Selbstgefühl das Regiment. Verständlich ist die Verärgerung der Kanzlerin sehr wohl, aber ob nun während der Sitzungen in Heiligendamm noch vernünftig um Wege und Ziele gerungen werden kann?

Natürlich hat Bush diesen Überraschungsschlag inszeniert, weil das magische G8-Datum dräute, und da war es ihm egal, dass er dergestalt das Regiekonzept der Kanzlerin zunichte machte. Aber malen wir uns aus, Heiligendamm wäre geblieben, was es ist: ein harmloses Luxushotel und kein Aufmarschgebiet für die Heere des medialen Zeitalters. Dann hätte der eine nicht seinen Coup aufziehen, die andere nicht vergrätzt sein müssen. Die Läuterung des George W. hätte sich in den probaten Kanälen der Diplomatie entfalten können – wo sich Freunde einander informieren und konsultieren, statt sich an die Wand zu spielen.

Was zum dritten Grund führt, weshalb die G8 in dieser Form abgeschafft werden muss: Schon lange ist dieser Auftrieb für die Chefs eine unwiderstehliche Versuchung zum Posieren geworden, weil Regieren (oder wenigstens Konsultieren) in diesem Rahmen unmöglich ist. Seit vielen Jahren steht das Kommuniqué schon fest, bevor sich die Prinzipale überhaupt getroffen habe. Seit vielen Jahren werden in diesem Konklave nicht die Entscheidungen getroffen, für welche die G7, dann G8 geschaffen worden ist. Einst ging es um globale Konjunktursteuerung, dann weitete sich das Themenfeld aus: Globalisierung, Entwicklungshilfe, Klimapolitik.

Lauter richtige Ziele, aber vor allem sollte das Gebot der Vertraulichkeit die Regie führen, der ruhige Gedankenaustausch, die informelle Verständigung. Das ist vorbei und perdu. Der Tross ist immer größer geworden, die Journalistenschar geht in die Tausende. Die sorgfältig inszenierten photo opportunities verstellen die Sache selber – und erst recht sorgt dafür der Kampf um globale Aufmerksamkeit zwischen Regierenden und Protestierenden. Der Zaun ist wichtiger geworden als die Gegenstand, der Protest wichtiger als das Projekt.

Doch die Thematik ist dringender denn je zuvor und deshalb ein Vorschlag an die Herren der Globalisierung: Mögen sie doch eine Triebkraft derselben nutzen, die Entortung der Kommunikation von Angesicht zu Angesicht durch das Glasfaserkabel. Der technische Begriff lautet: Teleconferencing. Es versammele sich in jeder Kanzlei der G8 der Regierungschef mit nicht mehr als zwei Beratern vor einem prächtigen LCD-Schirm. In dieser abgedunkelten Umgebung lässt es sich trefflich miteinander reden und ringen, verhandeln und verständigen. Es gibt nur eine Kamera und sie hat nur eine Funktion: die Bilder an die anderen Teilnehmer zu übermitteln. Die Ablenkung wird minimiert, die Sache maximiert. Machen wir aus dieser elektronischen G8 oder Gx (mit China und Indien) eine Gx-plus und lassen auch die Kritiker zu Wort kommen. So wird mehr Licht und weniger Hitze erzeugt. Denn Heiligendamm ist passé.

Danke liebe ZEIT!

Add comment Juni 5th, 2007

Der G8-Gipfel in Heiligendamm - Ergebnisse vertagt!

G8 Gipfel Heiligendamm LogoVom 6. - 8. Juni steigt er der Gipfel der mächtigsten und einflussreichsten acht Staaten der Welt.
Die sich treffen um zu beraten wer vom Rest der Welt an ihrem Glück teilhaben darf bzw. Ihre Unterstützung verdient und was dann doch eher auf später verschoben werden kann.

Und daher gehts heiß her im norddeutschen Heiligendamm in der Nähe von Rostock. Es wird hier und da friedlich protestiert und es werden “kleine Straßenschlachten” mit der Polizei ausgefochten, wie die letzten Tage live mitzuerleben war! Und was bringts?

Immer das Selbe! Meinungen, Kritik, Streit, Protest (ob friedlich oder nicht) und am Ende dennoch keine Lösungen.

Was kann man machen damit solch eine Veranstaltung wirklich Früchte trägt?!

Add comment Juni 4th, 2007

Nein, nein, und nochmals nein!!!

Passend zum Fazit des letzten umstrittenen Artikel…

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hier-klicken-um-bild-groesser-zu-sehen.jpg

Add comment Mai 26th, 2007

Die ldc’s und die Abkoppelungstheorie

Es ist leider nichts neues, dass die ldc’s (least developed countries) von uns ausgebeutet werden. Richtige Entwicklungshilfe ist kaum zu finden. Die schon erwähnten korrupten Strukturen der Entwicklungsländer, bei denen sich jeder Beamte seinen Teil abzwackt, sind bei der Weltbank durchaus bekannt. Doch darum geht es in der Entwicklungshilfe nicht. Entwicklungshilfe ist längst nur noch ein Instrument um das Allerschlimmste zu verhindern.

ldc's

Bei der Weltbank wird es beispielsweise schon als großer Erfolg gewertet, wenn 1/3 des Geldes in die Beschaffung von Nahrungsmitteln oder Wasser laufen. Das bei diesen Zahlungen mehr und mehr Kredite aufgenommen werden, interessiert in den ldc’s niemanden. Die Regierungsführer –falls man sie so nennen kann- stecken mehr Geld in militärische Ausrüstungen, als es (prozentual) z.B. die USA tun. Nur so können sie ihre absolutistischen Strukturen erhalten. Aber die Bevölkerung interessiert dort niemanden mehr. Die UN, die Weltbank, Misereor, und alle anderen Hilfsorganisationen betreiben meist nur Augenwischerei. Ein großer Teil der Spenden geht immer noch in die immensen Verwaltungsapparate.

Den Menschen in den Entwicklungsländern wird nicht geholfen! Und daran können wir auch eigentlich nichts tun (außer man bemüht sich, wie Gregor, um nachhaltige Maßnahmen in diesen Länder. Doch leider fehlt es dafür an den nötigen Menschen.). Es gibt einige Theorien, die sich mit den Ursachen und den Möglichkeiten der Situation der Entwicklungsländer befassen. Davon ist meiner Meinung nach die Abkoppelungstheorie die sinnvollste, die besagt, dass sich die Länder von der Abhängigkeit der Industrieländer „abkoppeln“ müssen und die Grundbedürfnisse erst einmal selbstständig gedeckt werden müssen. Dazu müssten Handelsbeschränkungen beschlossen werden und kulturelle und traditionelle Handwerksbetriebe müssen wieder aufgebaut werden. So könnte es in den ldc’s zu einer nachhaltigen Entwicklung kommen, den erst durch die Industrieländer sind die Disparitäten in Entwicklungsländern entstanden.

Spenden bringen immer nur ein kleines Bisschen, lieber lässt man diese Länder ganz in Ruhe, so grausam es ist, es gibt bessere Wege wie man den Entwicklungsländern helfen kann. An Geld fehlt es nicht wirklich, es fehlt an dem Wissen und an der Intelligenz.

1 comment Mai 17th, 2007

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