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Klimaschutz: mal wieder falsch verstanden?

An sich könnte man meinen, hier in Europa sei - wenn schon nicht das Weltklima - so doch wenigsten die (Klima-)Welt endlich in Ordnung: Europas Bürger und Politiker scheinen geeint in dem Wunsch nach mehr aktiver Klimapolitik und sehen in CO2 ihren gemeinsamen Feind. Auf den internationalen Klimakonferenzen fordern die Europäer strenge Ziele, die sie daheim schon per Vertrag fixiert haben: 20% weniger CO2 bis 2020!

Doch wenn man genauer hinsieht fällt auf, dass die meisten Länder noch keine konkreten Maßnahmen beschlossen haben, mit denen sie die Ziele erreichen wollen.

Deutschland tut sich hierbei sehr positiv hervor und hat ein Paket zur Energieeffizienz bei Gebäuden verabschiedet, das seine Wirkung sicher nicht verfehlt – v.a. wenn man bedenkt dass private Haushalte nach der Industrie die größten Energieverbraucher sind.

Anstatt dass andere (v.a. süd- und osteuropäische) Regierungen diesem positiven Beispiel folgen, haben sie sich nun auf den dritten und prozentual im Energieverbrauch weit hinter Haushalten und Industrie liegenden Bereich des Verkehrs eingeschossen.

Die Vermutung liegt nahe, dass sie dies tun um einerseits nicht als untätig zu gelten, anderseits aber um ihren Ländern tiefgreifende Veränderungen zu ersparen, die sich durch eigene Gesetze für Haushalte und Industrie ergäben.

Da ist es wohl einfacher die PKW-Industrie in die Pflicht zu nehmen. Besonders Italien und Frankreich, deren PKW-Hersteller seit Jahrzehnten v.a. kleine und somit relativ sparsame Automobile bauen, unterstützen dieses Verhalten und argumentieren, dass große Automobile ruhig mit einem kräftigen Aufpreis belegt werden sollen. Sie seien schließlich besonders umweltschädlich.

Dieser Vorschlag wird von der EU-Umwelt-Kommissar Stavros Dimas im Moment stark voran getrieben – im Gespräch sind bis zu 5000€ für prinzipbedingt mehr Kraftstoff verbrauchende große und schwere KFZ. Hierbei muss erwähnt werden, dass die meisten derartigen Fahrzeuge von deutschen Herstellern produziert werden, die in diesem Segment seit Jahrzehnten spezialisiert sind - ähnlich wie die Südeuropäer auf Kleinwagen.

Dabei haben die deutschen Hersteller ihre großen KFZ im Vergleich zu 1990 am meisten im Verbrauch reduziert und tun dies auch im Moment.

Es erhebt sich also die Frage, ob es bei dem Vorschlag – angeblich im Sinne des Klimaschutzes – nicht um versteckte Industriepolitik zuungunsten Deutschlands geht, wo etliche Arbeitsplätze wegfallen könnten?

Klar stimmt das Argument, dass Autos, die viel verbrauchen, schlecht fürs Klima sind, aber müssten fairerweise nicht auch andere Faktoren berücksichtigt werden? Was ist z.B. mit Großfamilien, die zu sechst ein großes Auto benutzen im Vergleich zu einem kinderlosen Paar mit zwei kleinen Autos? Was ist mit einem Sportwagen, der nur im Sommer für wenige Kilometer (und folglich wenig CO2-Ausstoß) bewegt wird? Was mit jemandem der Sprit mit einem Kleinwagen spart, aber Gas und Strom durch ein schlecht isoliertes Haus aus dem Fenster heizt?

Für ein faires System müssten diese Faktoren wie z.B. Fahrleistung, Flugverkehr und der Energieverbrauch im Haushalt pro Bürger sicher eingebunden werden, was aber einen bürokratischen overkill bedeuten würde.

Wie wäre es daher mit einem CO2-Ausstoß-Recht pro Bürger in einer bestimmten Höhe, der seinem Heimatland zugeschrieben wird?

Der Energieverbrauch eines Landes ist einfach zu messen (gesamter Verbrauch von Sprit, Heizöl, Kohle usw. nach CO2-Gehalt addieren) und jedes Land kann selbst entscheiden – natürlich unter gewissen drohenden Sanktionen bei nicht-Erfüllung - wie es die Ziele erreicht. Dann würde der Klimaschutz sicher anders laufen als heute, da der Preis für eine Tonne CO2-Einsparung in der Industrie und bei der Hausdämmung viel niedriger als im Verkehr ist.

Und der Tanktourismus wäre auch bald Geschichte…

29 comments Januar 10th, 2008

Blog zum Thema Nachhaltigkeit, Jugend und Politik wieder aktiv

Connecting Youth hat sich in den letzten Monaten eine kleine Blog Pause gegönnt, die auf Grund aktueller Begebenheiten wie z.B. dem Abitur vieler Mitglieder in diesem Jahr unvermeidlich war. Aber ab sofort sind wir wieder mit schönen Artikeln und Beiträgen im WWW dabei! :)

Add comment August 2nd, 2007

Im Osten geht (hoffentlich) die Sonne auf

Was man aus der Volksrepublik China hört ist aus Sicht eines Mitteleuropäers meist nichts Gutes - Ein Staat der Wachstumsraten erzielt, von denen die Industriestaaten nur träumen können. 10,7 % Wirtschaftswachstum fallen aber leider nicht vom Himmel, sondern müssen teuer “erkauft” werden. Umweltauflagen für Firmen gibt es nicht, konsequenter Weise hat China aus Angst um seine Wirtschaft nicht das Kyoto-Protokoll unterzeichnet. Ein staatliches Gesundheitswesen ist ebenso wenig zu erkennen, wie eine effektive Bekämpfung der Korruption. Das schlimmste an diesen Fakten ist aber, dass nur eine schmale Oberschicht von diesen inaktzetablen Zuständen profitiert, während der Großteil der Bevölkerung (~800 Mio Menschen), insbesondere die Landbevölkerung, nichts von dem großen Kuchen abbekommt, den es zu verteilen gilt. Im Gegenteil, Menschenrechte werden mit Füßen getreten, wenn beispielsweise für den Bau einer neuen Fabrik oder eines Staudammes (wir haben alle den Yangtsekiang-Staudamm vor Augen) die Landbevölkerung mit lächerlichen Entschädigungen umgesiedelt wird. In China ist die Kluft zwischen Arm und Reich in den letzten Jahren extrem geworden.

In der Bevölkerung rumort es aber, denn langsam ist ein kritischer Punkt erreicht, ab dem sich Kleinbauern nicht mehr von Peking bevormunden, oder schikanieren lassen wollen. Deutlich wird dies beispielweise an den Unruhen in der Hunan Provinz, in der kürzlich 20000 Bürger auf die Straße gingen, um gegen die Erhöhung der Kosten für den Nahverkehr zu protestieren. Auch wenn es für uns wohlstandsverwöhnte Europäer lächerlich erscheint, aber für Menschen mit einem durchschnittlichen Einkommen von umgerechnet 460$ ist eine Fahrpreiserhöhung um $1.41 eine Existenzbedrohung.

Um diesen Entwicklungen entgegen zu steuern, hat sich jetzt der Nationalkongress mit der Armutsproblematik befasst. Die Ausgaben für die Unterstützung ländlicher Gebiete werden um 15% auf 50 Mrd U$ erhöht, die Schulgebühren werden bis zur 9. Klasse abgeschafft und das Gesundheitsbudget wird um 87% auf 4 Mrd$ aufgestockt. Darüber hinaus wurden die Steuern auf landwirtschaftliche Erzeugnisse abgeschafft und es soll ein Minikreditprogramm für Kleinunternehmer ins Leben gerufen werden. Auch wenn diese kleinen Schritte nur einen kleinen Teil zur Lösung der angesprochenen Probleme beitragen, so muss man doch positiv bewerten, dass ein langsamer, zögerlicher Prozess des Umdenkens in der Volksrepublik einsetzt.

Die chinesische Führung tut dies keinesfalls aus reiner Menschenliebe, sondern diese Maßnahmen dienen letztendlich ihrem Machterhalt. 24 Mio Arbeitslose und eine extreme Landflucht (200 Mio Menschen sind in den letzten 15 Jahren vom Land in die Stadt gezogen) zwingen die chinesischen Machthaber zu diesen Schritten. Am Beispiel China wird deutlich, dass der pure Kapitalismus viele negative Auswirkungen auf die Gesellschaft und nicht zuletzt auch auf die Umwelt hat. Für China ist die Kluft zwischen Arm und Reich ein nationales Problem, das deren nationale Sicherheit und Stabilität in hohem Maße gefährdet. Die Welt hat im Grunde genau das gleiche Problem, allerdings sehen die nationalen Machthaber noch nicht die Konsequenzen, die die Fortführung des bisherigen globalen Wirtschaftssystem hat. Der Prozess des Umdenkens ist in Anbetracht der globalen Herausforderungen unbedingt notwendig und er kann nur durch öffentliches Interesse und öffentlichen Druck eingeleitet werden.

Es liegt also an uns,…

1 comment März 26th, 2007

Plant for the Planet - “Planters Punch”
for a better and cleaner world!

Log PftPConnecting Youth ist ein Partner und freundschaftlicher Unterstützer des Projektes “Plant for the Planet” (daher auch die Logos/Verlinkungen, die seit neuesten auf unserer Page zu finden sind). Das Tolle dabei:
Jeder kann mitmachen!

Nicht nur weil es unsere Zukunft und unser Leben ist, um das es hier geht, sondern auch weil wir verantwortlich sind für unsere kranke, verseuchte Mutter Erde. Es wird höchste Zeit gemeinsam etwas zu ändern. Jeder Einsatz zählt! Denn letztlich entscheiden wenige Grad Klimaerwärmung mehr oder weniger, wie es um uns stehen wird…

Und nun gibt es auch keine Ausreden mehr, wie z.B: “Ach, was kann ich denn schon tun?”
Denn jeder, kann für eine Schule einen Baum pflanzen!
Einfach unter www.plant-for-the-planet.org eintragen und los gehts.

Zusammen können wir das Ziel der Unep 1 000 000 000 Bäume dieses Jahr zu pflanzen erreichen.
Für uns!
Für unsere Nachkommen!
Für eine saubere und bessere Welt!
Werde aktiv und sei dabei, bei dem ersten Schritt in die richtige Richtung.

Den offiziellen Flyer von Plant for the Planet kann man hier downloaden!

Dieses Projekt wird vom Club of Rome, der FWU (Institut für Film und Bild), der evangelischen Akadmie, dem Global Marshall Plan und Connecting Youth gefördert, mit Schirmherrschaft von Prof. Klaus Töpfer (ehemaliger Direktor des Un-Umweltprogramms Unep) und Wangari Maathai (Friedensnobelpreisträgerin)

Add comment März 22nd, 2007

Was nicht passt, wird passend gemacht!

So die Schlagzeile eines Artikels in dem Wissensteil der Süddeutschen Zeitung des 14.3.2007. Aufhänger ist ein gerade neu erschienenes Buch des renomierten Journalisten Seth Shulman: “Undermining Science“.

Der Inhalt: einige akribische Auflistung der Eingriffe der Regierung Bush in die Wissenschaft. Rund 73 % der Klimawissenschaftler in den USA geben an, eine Einmischung der Politik in die Forschung beobachtet zu haben. So wurden beispielsweise Mitarbeiter der Naturschutzbehörde Fish and Wildlife Service in Alaska dazu angehalten, keine unbefugten Stellungnahmen zur Erderwärmung, gefährdeten Eisbären, oder Eisschwund in der Arktis zu geben. Des weiteren scheint die Bush-Regierung an die Schnittstellen von Politik und Wissenschaft ihnen geneigte Personen zu setzen (die teils noch nicht einmal ausgebildete Wissenschaftler sind), die dann unangenehme Forschungsergebnisse verschwinden lassen, oder verschönern.

Dies ist notwendig, da die Bush-Regierung noch heute den Zusammenhang zwischen dem Treibhauseffekt und CO2-Ausstoß ablehnt und so begründet, warum sie Klimaschutzmaßnahmen ablehnen und das Kyoto-Protokoll nicht unterschrieben haben. Um sich gegen solche Zustände zu wehren, haben jetzt über 11 000 US Forscher eine Erklärung unterzeichnet, in der sie gegen die eklatanten Manipulationsversuche der Bush-Regierung protestieren- darunter sind mehr als 50 Nobelpreisträger sowie frühere Wissenschaftsberater demokratischer und republikanischer Präsidenten.

Auch dies ist ein Beispiel, wozu ungebremster Kapitalismus führen kann: Unternehmen können in den USA die Politik derart beeinflussen, dass sie selbst neutrale, objektive Forschung für die Interessen des Kapitals manipuliert und mißbraucht. Es ist leider Realität, dass der Regierung der Vereinigten Staaten ihre Industrie wichtiger scheint, als die Zukunft ihrer Kinder und Enkel. Ein weiterer Grund, weshalb ein wie vom Global Marshall Plan geforderter Systemwechsel vom zügellosen Kapitalismus zu einer geregelten ökosozialen Marktwirtschaft dringend erforderlich ist.

2 comments März 15th, 2007

Einige elementare Daten zu CO2 Emissionen

Der Klimawandel und CO2 Emissionen sind momentan in aller Munde. Damit man auch vernünftig mitreden kann, sollen hier kurz einige elementare Daten zu CO2 Emissionen genannt werden. Zunächst einmal ist der Treibhauseffekt grundsätzlich ein natürliches Phänomen. Ohne Klimagase wie CO2, Wasserdampf und Methan, wäre kein Leben auf der Erde möglich, es ist noch viel unwahrscheinlicher, dass sich überhaupt Leben entwickelt hätte. Diese Gase legen sich, ähnlich dem Dach eines Treibhauses, um die Erde und sorgen dafür, dass die durchschnittliche Temperatur auf unserem Planeten nicht -18°C, sondern 15°C beträgt. Dieses natürliche Gleichgewicht wird aber seit Beginn der Industriealisierung durch erhöhte, vom Menschen verursachte, CO2 Emissionen gefährdet. Allerdings machen sich erst jetzt die tragischen Konsepuenzen langsam in Form von Überschwemmungen, Dürren, Stürme usw. bemerkbar. Wer ist aber für die globale Erwärmung hauptsächlich verantwortlich und kann man dies überhaupt verallgemeinern?

Hier ist einmal die Verteilung der CO2-Emissionen in Deutschland nach Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung:

co2.jpgDie Kraftwerke und die Industrie tragen also einen Hauptanteil and den jährlichen CO2 Emissionen. Nun gibt es aber auch unterschiedliche Arten von Kraftwerken. Das schweizer Paul-Scherer-Institut hat kürzlich eine Studie veröffentlicht, in der in Augenschein genommen wird, welches Kraftwerk wieviel CO2 ausstößt und dies nicht nur in seinem täglichen Betrieb, sondern auch in seinem gesamten Lebenszyklus, vom Bau bis zum Abriss:

co2-kw-klein.jpg

Interessant ist hierbei, dass beispielsweise Solaranlagen (siehe Photovoltaik) auch relativ viel CO2 produzieren, weil sie aufwendig herzustellen sind. Auch die Emissionen einzelner Atomkraftwerke können sehr schnell zunehmen, wenn die Urananreicherung nicht effizient betrieben wird.Zusammenfassend ist also zu sagen, dass man selbst weder pauschalisieren, noch dass eine Industriesparte seine Hände in Unschuld waschen darf; trotz der verhältismäßíg geringen prozentualen Anteile an Emissionen, sollte beispielsweise die Automobilindustrie keinesfalls ihre Hände in den Schoß legen, denn die absoluten Zahlen sind erschreckend. Um den Auflagen des Kyotoprotokolls nachzukommen bedarf es innovativer Technologien und kreativer Lösungsansätze. Auch muss es im Interesse eines jeden sein, Energie und damit CO2 zu sparen, einerseits um künftigen Generationen ein Leben auf der Erde zu ermöglichen, andererseits aber auch um selbst Geld zu sparen.

2 comments März 8th, 2007

Es geht bergauf und bergab!

Wo geht die Reise hin angesichts der derzeitigen “Klimaschocks”?

Es wird viel spekuliert. Aber letztlich ist es doch ungewiss. Fakt ist, es wird uns schlechter gehen. Es geht bergab.

Und mia san guad mit dabei

verschmutzung-vergleich3.jpg

Das es ernst ist zeigt auch schon das fordernde Zitat von Jacques Chirac “Jetzt ist nicht Zeit für halbherzige Aktionen. Es ist Zeit für eine Revolution.”.

Aber was ist denn das Problem?
Einerseits natürlich die Fakten.
Als Beispiel Punkto Co2 Ausstoß. (Wenigstens da gehts bergauf…)
co2-ausstos3.jpg

Und das tragische neben den ganzen von uns geschaffenen Problemen, die ja zur Zeit recht breit getreten werden ist, dass wir noch nicht in der Lage sind die Komplexität unseres Planeten zu verstehen.
Dass es sich Veränderungen nicht unmittelbar, bzw. linear auswirken, dürfte klar sein, sieht man das doch auch schön an unserem diesjährigen “bitterkalten” El Niño bedingten Winter, dessen Ursache weit zurück liegt.
Aber was wenn nun auf globaler Ebene Ereignisse auftreten, wie die Versauerung der Ozeane, das Abschmelzen der Antarktis, bzw. dem Auftauen der Permafröstböden?

Es wird nicht gut sein. Na ja es werden -falls sich nichts ändert- wohl auch die größten negativen Umweltauswirkungen sein, die die Menschheit je erleben wird.
Vielleicht noch viel schlimmer als wir und jetzt vorstellen können.
Man hört es nicht gern, und tut es gern als Öko-Hype-Übertreibungsgeschwätz ab, aber was wenn die Art Mensch wirklich vom Aussterben bedroht ist?

Egal wie es ist, sollten wir den Experten, die noch am Meisten von dem Wenigen was wir wissen verstehen glauben und schleunigst anfangen was zu ändern….

Nur was?
(Dies kann als Anregungen zum Ideen sammeln verstanden werden…)

Add comment März 1st, 2007

“Oh du starke Globalisierung, ach du schwache soziale Marktwirtschaft”

Neoliberalismus

Viel Spaß bei nachfolgender Geschichte!
(Fett = Herr Neo libertus; Normal = Fräulein Soliza; Kursiv = Erzähler)

Man müsse global denken meinte Herr Libertus Neo und fuhr in seinem beinahe schon ekstatischem Gedankengang fort: Wir dürfen uns nicht länger hinter einem, ein halbes Jahrhundert altem Gerüst verstecken. Und das nennt man dann noch ganz kess „soziale Marktwirtschaft“. Genau wegen der sind wir Deutsche doch hintendran. Aber das is ja noch nicht genug! Nein! Da ist ja auch noch dieser Name des Gründers…wenn ich da nur dran denke…vor allem diese Widersprüchlichkeit…er und hart? Ja ausgerechnet er, dieser soziale Softie…
Er meinte sich auszukennen. Und eine Frage lies ihn ganz besonders nicht los:
Wieso wollen es manche nicht verstehen?
Für ihn war es sonnenklar, dass die soziale Marktwirtschaft in den Zeiten der Globalisierung nur Schwächen aufwies. War sie doch auch während des Industriezeitalters entstanden, und für jenes konzipiert. Wie sollte so ein altes, verstaubtes Ordnungsmodell noch im digitalen Zeitalter funktionieren? Gerade jetzt, wo es keine festgefahrenen Strukturen mehr gäbe, wo man Miteinander mit Hilfe von Prozessoren Netze spinnt, der eine hier, der andere dort, der eine hier, der andere dort einen Strang beiträgt; was für Möglichkeiten sich dem blauwässrig schimmernden Planeten dadurch nur böten. Ja! Nun sind die Zeiten des lohnabhängigen, jahrzehntelang im Inland, unter denselben monotonen Bedingungen, in demselben tristen Unternehmen schuftenden Arbeiters, vorbei. Endlich vorbei. Zeit um unser Sozialsystem dieser neuen Ära anzupassen. Er war froh die Welt zu verstehen und konnte sich den freudigen Ausruf: Es lebe die Effizienz, die ungezügelte Effizienz bei aller Liebe nicht verkneifen.
Wenn die Deutschen sich diesem Rad der Zeit nur nicht widersetzten. Es ist doch Unsinn ein Vermögen in die Aufrechterhaltung irgendwelcher sozialen Standards zu investieren, wenn manch eine Konkurrenz das auch nicht tue. Ganz zu schweigen von der offensichtlichen Sinnlosigkeit zu geben, ohne eine direkte Gegenleistung zu bekommen.
Also weg damit, anstatt dessen sollten wir lieber mal einen Zahn zulegen, die Produktivität steigern, die Zähne dann noch zusammenbeißen und uns dem harten Gang der Konkurrenz anpassen. Nur so können wir Schritt halten.
Und ja, die langsamen und die, die ihre Chance nicht wahrnehmen sind halt nun mal die Verlierer. So ist es beim Spielen. Es gibt Gewinner und Verlierer. Langlebende und Kurzlebende.

Herr Libertus Neo wäre wohl ein Leben lang bei seiner Meinung geblieben, wäre ihm nicht irgendwann die heranreifende, aber bereits ihn irgendwie instinktiv anziehende, Fräulein Soliza begegnet. Zum ersten Mal in seinem Leben horchte er auf:
Ach du lieber Herr Neo! Wo soll ich nur anfangen? fragte sie ein wenig verzweifelt, aber dennoch recht forsch. Wissen Sie denn nicht was Deutschland an autoritären Herrschafts- und Wirtschaftsformen hinter sich hat? Allein im Vergleich dazu kann unser jetziges Ordnungsmodell doch nicht schlecht so sein, oder?
Na ja gut, das mag ja stimmen, aber trotz alle dem brauchen wir einen sich selbst regulierenden, frei… weiter kam er nicht, denn Fräulein Soliza hatte nur kurz abgesetzt um tief Luft zu holen:
Nein, nein, nein, einen freien Markt brauchen wir nicht. Ich erkläre ihnen lieber noch einmal, wie das mit der sozialen Marktwirtschaft ist. Im Grunde werden die marktwirtschaftlichen Prozesse lediglich durch einen gewissen Ordnungsrahmen ergänzt. Im Falle Deutschland bedeutet dies eine vom Staat festgelegte und kontrollierte Wettbewerbs- und Sozialordnung. Ziel dabei ist, dass eben nicht erwünschte Ergebnisse, eines rein marktwirtschaftlichen Systems, ausgeglichen, bzw. korrigiert werden. Warum Sie ein Fehlen von Sozialstandards für gut heißen, als dafür plädieren dass es manchen Menschen schlecht gehen soll, versteh ich sowieso nicht.
Also wenn ich von der Wirtschaft rede, dann meine ich zumindest alle Menschen, und meiner Ansicht nach sollten Alle ein Recht auf ein gleich langes Leben haben und man sollte nicht erdulden, dass welche verlieren, bzw. gar nicht die Chance haben zu gewinnen. Apropos, ich finde ich es wirklich pervers wie gleichgültig Sie darüber nachdachten.
Was ich meine ist, dass unter den falschen wirtschaftlichen und strukturellen Bedingungen einige doch gar keine Möglichkeit haben, sich persönlich zu entfalten und zu entwickeln. Es muss doch jeder das Recht haben dürfen Mensch zu sein, oder?
Allein schon deswegen, ist es ja wohl das Mindeste gewisse Leitlinien und Standards zu schaffen, unter denen sich es sich dann auch für Menschen wie Sie lohnen würde, sozial zu sein. Von denen gibt es eh noch viel zu wenig, wie ich finde. Und bevor wir die Effizienz und die Produktivität blindlings erhöhen, wäre es vielleicht angebrachter zuvor mal auf globaler Ebene ein vernünftiges Regelwerk durchzusetzen. Außerdem, was mir dabei grad einfällt, zu Ihrem Argument, dass wir, noch mehr noch schneller schaffen müssten:
In den Usa ist die Arbeitsproduktivität in den letzten 20 Jahren nur um 25% gestiegen, in Deutschland jedoch um 100% . So unproduktiv sind wir also gar nicht. Aber überhaupt, sollte das nicht unser Hauptproblem sein. Unsere Hauptprobleme sind z.B. dass 20% der Bevölkerung auf der Erde 80% von ihr besitzen, dass 25000 Menschen am Tag an Hungernot und dessen Folgen sterben und um noch ein Beispiel zu nennen, dass wenige sehr produktiv sind, auch im Umwelt verschmutzen, aber der ganze blaue Planet mit verseuchtem Wasser umgehen muss…
Und es gäbe noch zig Beispiele. Wenn wir also was brauchen, dann eine weltinnenpolitische Sichtweise, ja das stimmt, von daher gebe ich Ihnen Recht. Wir müssen global denken. Wobei die Betonung auf dem letzten Wort liegt. Das können wir schaffen durch supranationale Strukturen, wie etwa der Eu, aber nicht durch supranationales Chaos, wie es jetzt als Ordnungsrahmen auf globaler Ebene herrscht.
Es wäre viel besser, wenn alle Menschen zumindest den Grundgedanken unserer Form der Marktwirtschaft übernähmen, der nämlich lautet: „Wohlstand für Alle“. Allein schon der Liebe zum Nächsten wegen. Und warum sollte man nicht auch geben, auch wenn man, wie Sie, denkt man bekäme dafür nichts zurück? Wobei das ja auch nicht stimmt, denn hallt es doch wenn nicht nach außen doch in dem Inneren des Beschenkten wieder und äußert sich über lang oder kurz…
Ach ich bitte sie Frau Soliza, dass ist mal wieder typisch Fra… wollte er kontern, aber er war wieder ein mal der weiblichen Empathie nicht gewachsen
Ich wusste, dass sie das als weibliche Gefühlsduselei abtun. Nun gut. Nichtsdestotrotz sollte doch auch Ihnen einleuchten, dass es nicht sein kann und darf, dass Demokratie unter den Fesseln der heutigen Globalisierung bedeutet, dass nur Menschen mit materiellem Besitz eine politische Stimme, also eine Zukunft und ein Recht auf ein menschenwürdiges Leben haben?

Ha ha ha, ich kann nur lachen über ihre banale und überzogene Darstellung!

Wissen Sie, wahrscheinlich denken viele wie Sie, und viele lachen über Frauen wie mich. Aber was mich in so einer Situation immer tröstet, ist ein Spruch von Albert Einstein, den ich über meinem Bett aufgehängt habe und der lautet: Um ein tadelloses Mitglied einer Schafsherde zu sein, muss man vor allem eins sein: Ein Schaf.

Es ist mir leider nicht bekannt, ob Neo libertus bis heute zur Vernunft gekommen ist, und verstanden hat, dass Globalisierung uns allen nur viele Vorteile bringt, wenn wir anfangen sie richtig zu gestalten. Unsere jetzige Wirtschaftsform die soziale Marktwirtschaft weiter zu verbessern, ist vom Prinzip her nötig und gut, jedoch vergleichbar mit dem Bemalen eines Hüpfballes, der keine Luft hat.
Als letzte Anmerkung des Autors sei mir bitte noch erlaubt hinzuzufügen, dass auch die soziale Marktwirtschaft, bzw. die Struktur Europas bei weitem nicht optimal ist. Wahrscheinlich gibt es viele noch nicht gedachte bessere Formen. Aber, wer reißt schon eine noch nicht reife Frucht vom Baum und zertrampelt sie?

Kris

6 comments Februar 12th, 2007

Was bringt der neue IPCC Klimareport?

Der 4. UNO Klimabericht ist einer von vielen, der die Annahme bestätigt, dass der Mensch am Klimawandel schuld ist. Nur diesmal traute sich der IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) dies noch deutlicher als jede eine Studie zuvor auszudrücken. Und schon wird wieder viel diskutiert und große Taten werden gefordert. Wie gehen wir nun mit der Schuld, die wir und unserer Vorfahren sich aufgeladen haben, um?

Das übliche Szenario folgt meist einem inoffiziellen Fahrplan. Nachdem die Presse die neuen Studien herausgegeben hat, folgt prompt die Reaktion von Politikern und Umweltschützern. Letztere fordern Taten, Politiker versprechen diese. Allerdings stürzen sich die Medien schon nach kurzer Zeit auf andere Thematiken, Versprechungen verwehen im Winde und die Empörung wegen der nicht eingehaltenen Versprechen bleibt aus.

Die Forderung der EU nach einer Abgasobergrenze für Pkws von letzter Woche war ein sehr vernünftiger und dringend notwendiger Schritt, da ca. 32% aller CO“ Emissionen durch den Verkehr verursacht werden. Dies löste einen Protest der großen deutschen Automobilhersteller aus, dem schon wenige Tage später klein bei gegeben wurde. Wenn sich solche Mechanismen weiter etablieren, wird es zu keiner Reduzierung der Treibhausgase kommen. Die Folgen dieses Verhalten werden sich dramatisch auf das Leben der Menschen des 21. Jahrhunderts auswirken. Für den Leiter des Uno-Umweltprogramms, Achim Steiner ist der Klimawandel die Herausforderung des Jahrhunderts.

Wenn wir uns nicht gegenüber uns selbst und unseren Kindern verantwortungslos zeigen wollen, müssen wir handeln und drastische Maßnahmen ergreifen. Der Stern Report schlägt vor, jetzt zu handeln und rund 1% des Welt-Brutto-Produktes in den Klimaschutz zu investieren, denn spätere Folgen von Tatenlosigkeit würden mit einem Vielfachen dessen bestraft werden. Einen ersten Schritt machte die Bundesregierung und kündigte ein Aktionsprogramm zur Förderung von Lösungen für einen “intelligenten Technologiewandel” über 255 Millionen Euro an. Dies ist als positive, aber leider nicht ausreichende Antwort zu sehen.

Das G8 Gipfeltreffen im Juni wäre die ideale Gelegenheit, sich Gedanken über eine globale Lösung des Problems zu machen.

Nachtrag: Wer möchte kann sich hier den IPCC Bericht zusammengefasst anschauen.

7 comments Februar 2nd, 2007

Nachhall Texter berichtet über Connecting Youth

Die Nachhall Texter sind junge, kreative Autoren, die sich mit Nachhaltigkeit und PR beschäftigen. Sie sind in verschiedenen Nachhaltigkeits-NGOs aktiv oder engagieren sich im Medienbereich.

Ihr Ziel ist es die junge Nachhaltigkeitsszene in Deutschland zu vernetzen, Konferenzen anzukündigen, interessante Projekte vorzustellen, tolle NGOs präsentieren und Wissen austauschen.

Ganz aktuell wird mit einem Artikel über die Jugendorganisation » von den Nachhall Textern Werbung für Connecting Youth gemacht. Auf diesem Wege vielen Dank für die Unterstützung.

Mitmachen erwünscht, auf www.nachhall-texter.de !

Add comment Januar 31st, 2007

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