Das Prinzip Nachhaltigkeit
Nachhaltig wirtschaften, Nachhaltiges Konsumverhalten, nachhaltige Produkte, nachhaltig leben, nachhaltiges lernen,…….Nachhaltigkeit, Nachhaltigkeit, Nachhaltigkeit. In der letzten Woche konnte ich den Begriff Nachhaltigkeit in 15 verschiedenen Artikeln und Büchern 50- Mal finden. Nachhaltigkeit hätte das Potential „Wort des Jahres“ zu werden. Doch was genau ist eigentlich Nachhaltigkeit und was bedeutet es für die heutige Generation der Jugend?
Der Begriff der Nachhaltigkeit stammt ursprünglich aus dem Bereich der Forstwirtschaft. Man schlug nur so viel Holz wie natürlich im gleichen Zeitraum nachwachsen konnte. Somit erhielt man der künftigen Generation die Lebensgrundlagen wie man sie selbst vorgefunden hat. Über Millionen von Jahren wurde dieses Prinzip eingehalten, wohl auch deswegen, weil der Mensch bis vor kurzem gar nicht die Möglichkeiten zum Kahlschlag besaß.
Jedoch lässt sich das Prinzip Nachhaltigkeit auch auf viele andere Bereiche des Lebens übertragen. In der Landwirtschaft gilt es den Boden so zu bewirtschaften, dass er den nachfolgenden Generationen erhalten bleibt, mit all seinem Potential und seiner Reinheit. Der Grundsatz der Nachhaltigkeit ist demnach: Erhalt der natürlichen Ressourcen für zukünftige Generationen. Oder: Nehme nur so viel, wie auf natürlicher Basis wiederkehrt. Angesichts einer Vielzahl von nicht nachwachsenden Rohstoffen wird deutlich, dass es unmöglich ist den Grundsatz der Nachhaltigkeit 100 %ig zu verwirklichen. Deshalb gilt es auf diesem Gebiet einer sehr gewissenhaften Nutzung des Vorhandenen. In den letzten zwei Jahrhunderten kam es aber zu einer ganz anderen Entwicklung. Industrielle und technische Revolution machten den Abbau von Rohstoffen im großen Stil möglicht. Die Bevölkerungsexplosion und Globalisierung taten ihren Teil dazu, dass innerhalb von 200 Jahren große Teile an nicht nachwachsenden Rohstoffen weltweit abgebaut wurden. Warum aber wurde der Grundsatz der Nachhaltigkeit nicht mehr befolgt?
Einerseits durch die bereits beschriebenen äußeren Einflüsse, andererseits entwickelte sich eine neue Denkweise in den Köpfen der Menschen und die Gesellschaft veränderte sich. Profitgier, das Streben nach maximalem wirtschaftlichem Erfolg, koste es was es wolle, wurde zur Maxime der westlichen Gesellschaft. Dies wirkte sich in Engstirnigkeit und Kurzsichtigkeit aus. Die Generationen unserer Eltern und Großeltern veränderte die Welt für immer. Die Erde wurde ausgebeutet, zerstört und verändert. Manche haben darüber nachgedacht, welche Auswirkungen dies auf unserer Generation und die unserer Kinder haben könnte, aufhalten konnte diesen Prozess jedoch keiner. Hat man einmal etwas kaputt gemacht oder beschädigt, schleicht sich irgendwann doch einmal schlechtes Gewissen ein. Zuerst versucht man den Schaden herunterzuspielen, wenn das wahre Ausmaß jedoch zu deutlich erkennbar ist, beginnen Unschuldsbeteuerungen und gegenseitige Schuldzuweisungen. Diesen Zeitpunk haben wir Gott sei Dank schon überwunden. Manch Schuldiger ist sich seiner Schuld bewusst geworden und einige unternehmen derzeit erste Gutmachungsversuche. So wird die Reduzierung der Treibhausgase vorangetrieben und viele brüsten sich damit, nachhaltig zu wirtschaften oderzu handeln. Wie gesagt: 2006/2007, das Jahr der Nachhaltigkeit. Problem ist, dass der Geschädigte niemals konsultiert wird, wenn es um die Wiedergutmachungsarbeit geht oder um die Neugestaltung seiner Zukunft. Dies mag zum Teil daran liegen, dass man Ungeborene nicht nach ihren Vorstellungen ihrer Zukunft interviewen kann. Aber wie sieht es mit der Zusammenarbeit mit den Jugendlichen aus? Vor allem bei Fragen der Umweltpolitik und der Energiepolitik werden die Jugendlichen weder um ihre Meinung gebeten, oder gar in den Entscheidungsprozess mit einbezogen. Wäre es den Schuldigen und Entscheidungsträgern wichtig, ehrliche Gutmachung zu betreiben, so würden sie die Geschädigten zuerst nach deren Vorstellungen, wie eine solche Gutmachung aussehen könnte, befragen. Da dies nicht der Fall ist, muss sich die Jugend der Welt vereinigen und gemeinsam ihre Anliegen und Vorstellungen den Entscheidungsträgern vorstellen. Und um nicht die gleichen Fehler wie unsere Eltern zu machen, müssen wir uns schon jetzt Gedanken machen, wie wir diese vermeiden können. Wir müssen nachhaltig lernen, wie wir nachhaltig leben können.
Gregor Hintler
10 comments Januar 14th, 2007